Trump redet Bullshit, die „Mainstream“-Medien verbreiten Bullshit, das Fernsehen sendet Bullshit – jeder fühlt sich in irgendeiner Weise vom Bullshit umgeben. Als Schüler oder Student fragt man sich bei Lehrinhalten oft: Ist das relevant oder Bullshit? Nach dem Geschäftsessen bleibt die Frage offen: Hat mir das Gegenüber auch keinen Bullshit auf die Nase gebunden? Die Linken machen sich lächerlich, die Rechten sind empörend und die Liberalen würden dir sogar den letzten Bullshit verkaufen. Wo man auch hinguckt: Bullshit.

Bullshit.Sprech ist der Titel der 191. Ausgabe vom Kursbuch, das 1965 unter anderem von Hans Magnus Enzensberger ins Leben gerufen wurde. Über viele Verlage und Ausrichtungen fand das Medium seinen Platz in der Kursbuch Kulturstiftung. Seit 2012 erscheinen nun viermal jährlich Ausgaben, in denen unter einem Leitthema verschiedene Autoren ihre Sicht der Dinge nicht nur in Essay-Form verbreiten können. In dieser Edition finden wir die unterschiedlichsten Herangehensweisen vor, um dem Begriff Bullshit eine Begriffsdefinition zu geben. Wir begegnen diesem Phänomen in der Politik, in den Medien oder im Alltag.

Der Jurist Georg M. Oswald nimmt uns in seinem Beitrag mit auf seine persönliche Suche. Wir wissen natürlich, dass es Bullshit gibt, dem wir ständig begegnen. Doch oft deklarieren wir etwas als Bullshit und ärgern uns über ihn, weil wir ihn nicht ignoriert haben. Wie oft lest ihr am Tag unwichtige E-Mails, in vielerlei Hinsicht blödsinnige Facebook- oder Artikel-Kommentare oder kurzlebige Nachrichten auf allen Kanälen? Mit seinem Artikel forciert der Autor „ein kurzes Plädoyer für intellektuelle Selbstbehauptung“ und appelliert an einen eigenverantwortlichen Umgang mit den neuen Medien.

Ist Verblödung das, was uns voneinander trennt, oder das, was uns miteinander vereint?
Georg Seeßlen: „Die Sprache der Verblödung“

Aber was tun, wenn dem Bullshit wirklich nicht aus dem Weg zu gehen ist? Markus Baumanns und Torsten Schumacher lassen sich über vermeintliche Modewörter wie „agil“, Anglizismen, oder die Planbarkeit in Unternehmen aus. Als bekennender Fußball-Fan wird man sich auch über den Artikel von Peter Felixberger freuen. Neben vielen aussagekräftigen Fußballer-Zitaten darf hierbei natürlich die Romantik nicht fehlen. Hans Hütt liefert mit „Das Hohlsprech-Prinzip: 14 Anleitungen für erfolgreichen Talkshow-Bullshit“ zudem eine passende Darstellung der traurigen Realität, wenn auch aus einer eher linken Position heraus.

Political Correctness

Armin Nassehi nähert sich dieser in vielerlei Hinsicht populären Bezeichnung in erfrischend differenzierter Weise. Dabei geht er auf Dinge ein, die ihn nerven und die er als Bullshit empfindet. Dazu gehören bei ihm zum Beispiel Teile der geschlechter- und sonstigen sensiblen Bezeichnungen. Aber er unterscheidet unter anderem zwischen Umsetzung und dem „normativen Impuls dahinter“. Er wünscht sich mehr Gelassenheit auf allen Seiten, auch wenn die eine Seite unsympathischer sein mag als die andere. Und er beäugt die Einteilung in „Humankategorien“, Identitäten kritisch – sowohl im rechten als auch im linken Milieu.

Neben so einigen anderen Artikeln findet man zum Schluss eine Sammlung von Bullshit aus früheren Kursbüchern wieder. Bei dieser beachtenswerten Selbstironie möchte ich dem geneigten Leser mitgeben: es mag für dich nicht alles zutreffen, vielleicht empfindest du einiges sogar als Bullshit, aber es lohnt sich, aus dem eigenen „Safe Space“ zu treten und sich mit diesen Meinungen zu konfrontieren.

Das Kursbuch kann man hier bestellen.

Ein Interview vom Bayerischen Rundfunk mit Armin Nassehi zum Kursbuch findest du hier.

 

Hier findest du zudem das Editorial zum aktuellen Kursbuch „Frauen II“.

 

 

Dieser Artikel spiegelt die Meinung des Autors, nicht der Organisation wieder. Dieser Blog bietet die Plattform für sehr unterschiedliche liberale Ideen. Mehr zur Organisation auf www.studentsforliberty.de