„Schluckst du die blaue Kapsel, ist alles aus. Du wachst in deinem Bett auf und glaubst an das, was du glauben willst. Schluckst du die rote Kapseln, bleibst du im Wunderland. Und ich führe dich in die tiefsten Tiefen des Kaninchenbaus. Bedenke: alles, was ich dir anbiete, ist die Wahrheit. Nicht mehr.“ Morpheus (Matrix 1999)

In den sozialen Netzwerken treffe ich immer wieder auf Menschen, die scheinbar nicht in meiner Welt leben. Möglicherweise haben sie die rote Kapsel geschluckt – und ich stecke noch immer in der Matrix fest und ahne nichts von der Realität. Vielleicht bin ich nur der Traum eines Körpers, der von Maschinen als Energiequelle genutzt wird. Im Zweifelsfall auch von Politikern.

Die Matrix

Meine Welt ist recht angenehm: Ich lebe in Deutschland – einem der reichsten Industrieländer der Welt. Ich habe genug zu essen und, wie ein großer Teil der Bevölkerung, habe ich auch einen Job. Auch, wenn ich bisher noch weniger verdiene als die meisten Deutschen, komme ich über die Runden.

Ich genieße eine relativ große Freiheit: Ich kann mich in meinem eigenen Land frei bewegen; ich kann mich auch frei durch ganz Europa bewegen und auch sonst gibt es kaum ein Land, in das ich nicht reisen dürfte. Ich kann selbst entscheiden, welchen Job ich annehme. Ich darf alle Bücher lesen und Filme sehen, die ich mag. Es gibt niemanden, der mir das verbietet. Ich – und auch jeder andere in diesem Land – darf den Staat kritisieren, ohne dafür ins Gefängnis zu kommen. Ich stehe für Drogenlegalisierung ein, für den Rückbau des Sozialstaates und befürworte eine Reform des Steuersystems. Das alles tue ich öffentlich. Auf Facebook oder in Peace Love Liberty – ich bin noch immer auf freiem Fuß.

Ich lebe verhältnismäßig sicher: Wenn ich auf die Straße gehe, habe ich keine Angst vor Gewaltverbrechen. Sie geschehen glücklicherweise nur selten. Von 100.000 Bürgern fallen weniger als drei einem Mord zum Opfer. Das sind weniger als 0,0001 Prozent.

Doch mir scheint, ich habe ein paar Dinge verpasst.

Die Realität

„Die Matrix ist ein System, Neo. Dieses System ist unser Feind. Was aber siehst du, wenn du dich innerhalb des Systems bewegst? Geschäftsleute, Lehrer, Anwälte, Tischler – die mentalen Projektionen der Menschen, die wir zu retten versuchen. Bis es dazu kommt, sind diese Menschen immer noch Teil des Systems. Und das macht sie zu unserem Feind. Du musst wissen, dass die meisten von Ihnen noch nicht soweit sind abgekoppelt zu werden. Viele dieser Menschen sind so angepasst und vom System abhängig, dass sie alles dafür tun, um es zu schützen.“ Morpheus (Matrix 1999)

Facebook zeigt mir das wahre Gesicht meiner Umgebung. Die hat sich scheinbar in eine Art Hölle verwandelt. In der Realität bin ich stark in meiner Freiheit eingeschränkt.

Meinungsfreiheit ist eigentlich nicht mehr gegeben. Ein guter Artikel dazu findet sich beispielsweise hier. Abweichler werden abgestraft und einer politischen Gesinnungsdiktatur unterworfen. Die Freiheit der Meinung ist nur noch auf dem Papier gegeben. In der Realität ist sie ausgehöhlt, weil ungeliebte Ansichten durch die Hetze der unfreien Medien und das dumme Volk niedergemacht und verleumdet werden. Das jüngste bekannte Opfer dieser Meinungs-Gleichschaltung ist Autor und Speaker Akif Pirincci.

Deutschland wird eigentlich nicht demokratisch regiert. Angela Merkel hat längst eine Art Diktatur errichtet und arbeitet zielstrebig darauf hin, die Deutschen zu dezimieren. Ihre Politik ist für Deutschland ähnlich desaströs wie die Adolf Hitlers. In diesem Artikel wird diese Tatsache so eindrucksvoll elitär dargelegt, dass sie nur wahr sein kann. Wichtig ist zu wissen, dass Merkel dabei nicht allein die treibende Kraft ist. Sie steht unter dem Einfluss der Amerikaner. Die USA haben schon lange den Plan gefasst, Europa zu destabilisieren und nutzen die Kanzlerin als Marionette.

Die Medien geben ausschließlich Lügen von sich. Sie sind von Grund auf nicht vertrauenswürdig und dazu da, die Matrixbewohner weiter zu verwirren und zu manipulieren. Damit sind sie nur ein Werkzeug der Mächtigen, die uns weiterhin ruhig und gefügig halten wollen. Unabhängiger Journalismus existiert eigentlich gar nicht.

Die rote Pille macht uns zu Sklaven

„Du wurdest wie alle in die Sklaverei geboren und lebst in einem Gefängnis, dass du weder anfassen noch riechen kannst. Ein Gefängnis für deinen Verstand.“ Morpheus (Matrix – 1999)

Ich persönlich glaube, dass die rote Pille einen Menschen ein wenig verrückt macht. Das ist an und für sich nicht schlimm, aber sie macht auch handlungsunfähig. Wer in einem Land wie Deutschland auf Basis der Annahme argumentiert, er lebe in einem quasi-totalitären Staat, der verliert schnell an Seriosität. Die Argumente, die darüber hinaus gehen und die oft richtig und bedenkenswert wären, gehen dahinter verloren.

Die rote Pille macht arrogant. Wer sie schluckt, sperrt seinen Geist in ein Gefängnis, in das keine Argumente eindringen können. Alles, was durch die Kapsel sichtbar wird, passiert hinter einem Schleier, den alle anderen nicht durchblicken können. Eine Diskussion ist deshalb nicht mehr möglich.

Wer seine Argumente auf einer solchen Basis entwickelt, stellt sich in erster Linie über seine Zuhörer und Leser. Da hat jemand mehr verstanden als alle anderen und tritt das in verschiedenen Artikeln oder Youtube-Videos auch noch schön breit. Einer meiner Lieblingsbeiträge dazu ist dieser: Der Vlogger erklärt, der Economist habe auf einer alten Titelseite die Terroranschläge in Paris vorausgesagt. Und er macht unmissverständlich klar, dass jeder ein Idiot ist, der ihm das nicht glaubt: „Wenn ihr das nicht versteht, dann beschäftigt euch am besten nie wieder mit irgendwelchen politischen Theorien. Ihr werdet es nie verstehen! Wenn man das nicht versteht, ist man gehirngewaschen (Zusammengefasst: Minute 8).“

Wir brauchen die rote Pille nicht

Dabei sind diese Übertreibungen nicht notwendig, um für mehr Freiheit, für ein liberaleres Deutschland zu streiten. Die Situation muss nicht unerträglich schlecht sein, um sie ändern zu wollen. Eine Steigerung von gut zu besser reicht völlig aus. Wir dürfen uns der Tatsache bewusst sein, dass wir in dem priviligiertesten Zeitabschnitt der Erdgeschichte leben. Und wir dürfen trotzdem versuchen, diese Situation weiter und nachhaltig zu verbessern.