Am 1. Dezember 2012 trat in Australien das weltweit erste Gesetz zu marken-freien Einheitsverpackungen für Zigaretten (Plain Packaging) in Kraft. Die australische Regierung erhoffte sich durch die Verschleierung von Marken, den Tabakkonsum weniger attraktiv zu gestalten und damit nachhaltig die Raucherrate zu verringern.

Viele Gesundheitsexperten feiern Plain Packaging als eine wichtige Säule zur Bekämpfung von nicht-übertragbaren Krankheiten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von eindeutigen Beweisen für die Effektivität von Plain Packaging. Daraufhin folgten mit Frankreich, Irland und Großbritannien gleich drei europäische Länder dem australischen Beispiel und verbannten Marken von Zigarettenschachteln.

Schaut man sich die Statistik des australischen Statistikamtes an, sieht es auch so aus, als ob Plain Packaging einen Rückgang der Raucherquote herbeigeführt hat. Während vor der Einführung noch 16,1 Prozent der Bevölkerung geraucht haben, waren dies im Jahr 2015 nur noch 14,5 Prozent. Diese Zahlen beziehen sich lediglich auf offizielle Verkaufszahlen und beinhalten keine eigentlichen Verbrauchszahlen.

Die Criminal Intelligence Commission kam zum Ergebnis, dass der Tabakkonsum in Australien ansteige.

Zu einem ganz anderen Ergebnis kommt daher die australische Criminal Intelligence Commission (ACIC), die stichprobenartig die Abwässer von Haushalten untersucht hat. Sie kam zum Ergebnis, dass der Tabakkonsum in Australien ansteige. Als die Leiterin der ACIC zu der Diskrepanz ihrer und der Daten des Statistikamtes befragt wurde, wies sie darauf hin, dass die ACIC-Daten auch den Schwarzmarkt einberechnen, während die andere Studie lediglich die legal-verkauften Zigaretten betrachtet.

Eine wissenschaftliche Studie des Melbourner Ökonomie-Professors Sinclair Davidson kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Er sieht keinen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der Einführung von Plain Packaging und verringertem Tabakkonsum. Es zeigte sich sogar, dass die Rate der rauchenden Jugendlichen seit 2012 gestiegen sei.

Steuererhöhungen und Plain Packaging hatten also nur einen Einfluss auf den Verkauf von legalen und versteuerten Zigaretten. Dadurch, dass Einheitsverpackungen aber deutlich einfacher zu fälschen sind und Zigaretten teurer wurden, haben sich mindestens 10 Prozent des Tabakkonsums in Richtung Schwarzmarkt verschoben. Der Schaden für den australischen Staatshaushalt liegt in Milliardenhöhe, der Schaden für Raucher, die deutlich minderwertigere, gefälschte Zigaretten rauchen, wohl noch höher.

Bei indonesischen Schmugglerbanden sollen wohl die Korken geknallt haben, als nach Australien auch Großbritannien die Einheitsverpackungen angekündigt hatte.

Und auch eine repräsentative Umfrage durch Nanos ergab, dass die Mehrheit der befragten Kanadier nicht an die Effektivität von Einheitsverpackungen glaubt. Eine richtige Annahme, die durch die Studien bekräftigt wird.

Trotz dieser Datenlage und einer mehrheitlichen Skepsis gegenüber Plain Packaging steht das Thema weltweit weiterhin ganz oben auf der Agenda von Gesundheitsfunktionären. Während Mediziner, WHO und Gesundheitspolitiker die Einführung von Plain Packaging auch in Deutschland fordern, sollte Politik und Gesellschaft bewusst sein, dass das australische Experiment gescheitert ist. Lediglich das organisierte Verbrechen gewinnt wirklich bei dieser Politikmaßnahme.

Das ständige Anzweifeln von vorherrschenden Meinungen ist ein wichtiger Entdeckungsprozess in Wissenschaft und Gesellschaft. Nur wenn man über den eigenen Schatten springen kann und sich Fehler eingesteht, kann man einen besseren Kurs einschlagen.

Es wäre an der Zeit, dass die internationale Gesundheitslobby das Scheitern von Plain Packaging zugibt, Politik wieder Evidenz folgt und damit aufhört Daten und Fakten zu ignorieren.