In den letzten Jahrzehnten haben Ökonomen mit großem Einsatz das Prinzipal-Agenten Problem analysiert (zum Beispiel Milgrim und Roberts 1992 oder  Wikipedia: Prinzipal-Agenten-Theorie). Dieser Studienbereich befasst sich mit den Anreizen und Fehlanreizen, denen ein Auftragnehmer (Agent), der einen Auftraggeber (Prinzipal) vertritt, ausgesetzt ist. Wahrscheinlich kann keine kleine Zusammenfassung der Vielfalt dieses Forschungsgebiets gerecht werden, aber es lässt sich sagen: Ein perfekter Auftragnehmer ist nahezu unmöglich.

In vielen Fällen existiert eine große Lücke zwischen dem, was der Auftragnehmer unternimmt und dem, was der Auftraggeber von ihm verlangt, aber durch einen Vertrag weder zu veranlassen noch zu zwingen in der Lage ist.

Auch wenn ein Großteil der Literatur der Industrieökonomik angesiedelt ist, hat es doch substantielle Auswirkungen für die Forschung auf dem Gebiet der Politik. Beispielsweise haben die Gestalter der Verfassung der USA institutionelle Rahmenbedingungen nicht für eine Demokratie, sondern für eine repräsentative Republik geschaffen. Das ist ein unklarer Begriff: repräsentativ. Wenn schon ein Auftraggeber auf einem freien Markt (beispielsweise der Besitzer eines Unternehmens) keinen gut funktionierenden Vertrag (sprich einen Vertrag, den der Auftragnehmer nicht ausnutzen kann) mit einem Auftragnehmer (beispielsweise einem Manager seines Unternehmens) eingehen kann, wie hoch sind dann die Chancen, dass die Repräsentanten der Bürger der USA (der Präsident, der Gouverneur, die Kongressabgeordneten) alle Bürger in einer Weise repräsentieren, die dem Wort gerecht wird.

Menschen haben komplexe und stark unterschiedliche politische Präferenzen. Wie kann ein Kongressabgeordneter mehrere Tausend Personen repräsentieren, wenn nicht einmal der Aufsichtsrat einer Firma den Vorstand kontrollieren kann, ein so einfaches Ziel wie die Maximierung des Firmenwerts zu verfolgen. Die aufgetragene politische Aufgabe ist unmöglich. Den “repräsentativen” Teil der repräsentativen Republik kann niemand ernst nehmen, der länger als ein oder zwei Minuten darüber nachdenkt.

Und selbst wenn ein definitives Scheitern offensichtlich würde, so fehlt es doch an vergleichbarer Verantwortlichkeit des politischen Auftragnehmers […]

Mehr noch: Anders als in der Marktsphäre, wo Auftraggeber messbare Ziele für die Auftragnehmer formulieren und gesetzlich durchsetzbare, quantitative Anreize für das Erreichen dieser Ziele setzen können (beispielsweise definierte Anteile am Gewinn oder abgestufte Kompensation, möglicherweise in Form von Aktienoptionen oder anderen Verbindungen zur Leistung des Auftragnehmers), fehlen in der politischen Sphäre all diese Möglichkeiten. In der Regel machen die Kandidaten in Wahlen für politische Ämter vage Versprechungen, die kaum überprüft noch irgendwelchen quantitativen Messungen unterworfen werden können.

Im Allgemeinen ist es den Auftraggebern (in diesem Fall den Wählern) unmöglich präzise zu identifizieren, ob die gewählten Auftragnehmer erfolgreich waren oder versagt haben. Und selbst wenn ein definitives Scheitern offensichtlich würde, so fehlt es doch an vergleichbarer Verantwortlichkeit des politischen Auftragnehmers im Gegensatz zum ökonomischen Auftragnehmer, welcher direkt nach im Vertrag festgelegten Prinzipien entlassen oder bestraft werden kann.

Kleine Gruppen an Menschen treffen Entscheidungen, die ihnen selbst und einigen wenigen Schlüsselunterstützern am besten passen […]

Politische Auftragnehmer sollen, so die Vorstellung, sich bei der nächsten Wahl der Verantwortung stellen, falls sie sich wieder wählen lassen. Allerdings haben die Auftragnehmer, abgesehen von fundamentalen Problemen ihrer Kontrolle, wenn sie einmal in ein Amt gewählt wurden große Vorteile bei der Manipulation von wahlentscheidenden Faktoren (beispielsweise indem sie Staatsaufträge oder -subventionen an die unentschlossenen Wähler vergeben), sodass die Auftraggeber (die Wähler) sie nicht disziplinieren oder abwählen können. Im Großteil sind politische Auftragnehmer den Auftraggebern, bis auf die Spitzenkandidaten der Wahlkampagnen, daher nicht wirklich verantwortlich. Politische Verantwortlichkeit ist generell eher ein Mythos als von wirklicher Substanz.

Falls wirkliche politische Repräsentation für große Gruppen unmöglich ist, was resultiert daraus? Das eiserne Gesetz der Oligarchie kommt hier ins Spiel. Kleine Gruppen an Menschen treffen Entscheidungen, die ihnen selbst und einigen wenigen Schlüsselunterstützern am besten passen und färben diese ideologisch, um der großen Masse an Menschen zu versichern, dass sie etwas Unterstützenswertes tun.

Es ist nicht einfach so, dass sogenannte “Repräsentanten” moralisch schlecht oder korrupt wären, auch wenn das der Fall sein könnte. Die Arbeit, die sie vorgeben auszuüben, kann von niemandem, nicht einmal dem ehrlichsten Repräsentanten, den man sich vorstellen kann, ausgeübt werden. Kein Auftragnehmer kann eine vielfältige Gruppe an Auftraggebern repräsentieren, vor allem wenn sie groß ist und die Mitglieder entlang vieler Dimensionen unterschiedlicher Meinung sind. Die Interessen einiger Auftraggeber werden scheinbar befriedigt werden, die anderer nicht. Die letzteren werden dann einfach mit der Härte des Gesetzes gezwungen sich zu unterwerfen.

 

 

Dies ist eine Übersetzung von Nikolas Haring. Das Original in Englisch auf „The Beacon“ gibt es hier zu lesen.