In den letzten Wochen hat Guatemala die Welt überrascht, nachdem Präsident Otto Pérez Molina gewaltlos von der Bevölkerung abgesetzt wurde und ein politischer Außenseiter, Jimmy Morales, in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl zum Kandidaten gewählt wurde. Morales, der als Fernsehkomiker bekannt wurde, sicherte sich am 6. September 23 % der Stimmen. Dies überraschte Journalisten, politische Beobachter und jeden anderen, der es wagte vorauszusagen, wie sich Guatemala weiter entwickeln würde.

Morales fehlt der traditionelle politische Hintergrund, aber ist bereit, gegenüber der früheren First Lady, Sandra Torres, in die Offensive zu gehen, wenn er ihr in der Stichwahl entgegen tritt. Torres konnte sich in der ersten Runde knapp gegen den kontroversen Manuel Baldizón durchsetzen. Abgesehen von seiner Arbeit als Comedian hat Morales Betriebswirtschaft studiert, dies mit seiner Leidenschaft für Bühnenkunst kombiniert und mehrere Unternehmen in Guatemala sowie in anderen Ländern gegründet. Dennoch ist er vermutlich am besten für seine Fernsehserie Moralejas (Sitten) bekannt. In den letzten Jahren studierte Morales dann noch Strategische Studien mit einem Schwerpunkt in Sicherheit und Verteidigung, außerdem Medienmanagement. Auch erlangte er einen Doktorgrad in Strategisches Sicherheitsmanagement. Offensichtlich ist Morales eine recht vielseitige und einfallsreiche Person.

Als Baldizón noch wenige Wochen vor dem Wahltag die Umfragen problemlos anführte, konnte niemand absehen, dass es Morales tatsächlich an die Spitze des Feldes schaffen würde. Der schnelle Abstieg von Pérez Molina (Der ehemalige Präsident der Republik Guatemala, der wegen einer Korruptionsaffäre zurücktrat, A.d.Ü.) führte dazu, dass man in Guatemala nach jemandem suchte, der noch keine Berührung mit dem Politikbetrieb hatte. Morales war genau zur rechten Zeit am rechten Ort: Er hatte keinen politischen Ballast, und konnte während seiner Wahlkampagne erklären, dass er „weder korrupt noch kriminell“ sei. Ganz im Gegenteil: Die Menschen in Guatemala hatten ihn als jemanden in Erinnerung, der sie zum Lachen brachte und sie dazu ermutigte, ihre Träume zu verwirklichen. „Morales vereint unbefriedigte Wähler, die noch keine Alternative gefunden haben“ sagt Pedro Trujillo, Professor für Journalismus, über den Fernsehunterhalter. „Wenn Leerstimmen hier gültig wären, dann würden diese Wähler sehr wahrscheinlich leer wählen, aber da dies in Guatemala nicht der Fall ist, würden sie damit ihre Stimme verschwenden.“„Die Menschen haben sich für Morales entschieden, weil er für das genaue Gegenteil unseres Systems steht. Dies erklärt, warum ein Underdog wie er die erste Runde gewinnen konnte“, fügt der Professor hinzu.

Die Wähler in Guatemala haben klar signalisiert, was sie in Zukunft erwarten: Keine machthungrigen Politiker mehr, und keine Korruption. Stattdessen wollen sie Politiker, die frische Ideen einbringen können und nach vorne blicken. Die Wähler scheinen Morales‘ Mangel an politischer Erfahrung damit gleichzusetzen, keine böswilligen Intentionen zu haben. Sie sehen ihn als jemanden, der seine Arbeit anders machen wird. Er soll andere Ergebnisse hervorbringen als die Politiker davor, deren politischer Aktionismus in der Regel zu Armut, Unterentwicklung, Mangel an Perspektiven und Straffreiheit für eben jene Politiker geführt hat. Zweifelsohne kann man sagen, dass diese Verschiebung in der politischen Landschaft, die mit dem „Jimmy Morales Phänomen“ einhergeht, die gesamte Politik in Guatemala verändert hat.

„Von heute an werden die Politiker sich immer mehr der Bürger bewusst sein, die sie die ganze Zeit im Auge behalten werden“, sagt Trujillo. „Die Leute haben verstanden, dass man, wenn etwas will und dafür kämpft, Unvorstellbares erreichen kann. Die Situation hat eine neue Art von Gesellschaftsvertrag produziert, bei dem die Politiker unter sehr viel mehr Kontrolle stehen werden. Nichts wird sein, wie es einmal war.“ Die Frage wer Guatemalas nächster Präsident sein wird, muss noch unbeantwortet bleiben. Sicher ist aber, dass das politische Leben in Guatemala sich von Grund auf verändert hat. Die Menschen in Guatemala wissen, was sie wollen, und sie werden es von ihrem nächsten Präsidenten fordern. Der nächste Präsident muss verstehen, dass Transparenz, Bürgerdialog und ein gesunder Menschenverstand unabdingbar sind, um Veränderungen in Guatemala einzuleiten.

Ein Beitrag von Elena Toledo. Übersetzt von Marcus Rumler. Original: http://panampost.com/elena-toledo/2015/09/21/understanding-jimmy-morales-the-comedian-who-changed-guatemala/