„Zwangsbeitrag? Nein Danke!“ strahlte vor nun fast drei Wochen sonntagabends vom ARD-Hauptstadtstudio herab. Das gelbe Logo, welches an die altbekannten Anti-Atomkraft-Sticker erinnert und sich in seiner Botschaft gegen die von vielen ungeliebte GEZ-Gebühren richtet, wurde an jenem Abend vom Team des klassisch-liberalen Think-Tanks „Prometheus“ auf die „Visitenkarte des öffentlich-rechtlichen Angebots“ projiziert um ein klares Zeichen gegen die Willkür dieser Sondersteuer zu setzen. Sie sprechen damit aus dem Herzen der meisten Mitbürger.

Die Argumente, welche von den Befürwortern der Zwangsabgabe aufgeführt werden, überzeugen nur selten. Eine „Grundversorgung“ mit Informationen über das Weltgeschehen, ist im 21. Jahrhundert längst nicht mehr notwendig. Wer sich informieren möchte, dem bietet das Internet mit Blogs, Nachrichtenseiten und Online-Magazinen zahllose Möglichkeiten. Wen all das nicht interessiert, so schade das auch sein möge, den wird auch die Zwangsabgabe nicht dazu bewegen, seinen Fernseher anzuschalten. Formulierungen wie „Demokratieabgabe“, oder die Behauptung, der Staatsfunkt sei notwendig, um uns zu „mündigen Bürgern“ zu machen, erinnern schon ein wenig an die Zeiten Erich Honeckers.

Für die Abschaffung dieser Gebühren lassen sich dafür zahlreiche Argumente aufführen. Er kostet uns 210 € jährlich (zum Vergleich: Netflix kostet nicht einmal die Hälfte). Er bietet Politikern die Möglichkeit, Einfluss auf die Berichterstattung zu nehmen und uns diese als wertvollen Informationsservice zu verkaufen. Doch auch das Programm spricht gegen die GEZ: interessieren sich wirklich derart viele Menschen für das Musikantenstadl, alle erdenklichen Sendungen mit Markus Lanz, Hitler-Dokus bei ZDF History und gefühlte zehntausend Seifenopern? Wie sehe überhaupt ein Programm aus, dass den Bedürfnissen so vieler verschiedener Menschen gerecht wäre?

Doch nicht nur wenn wir das Fernsehen anschalten, bekommen wir bewegte Bilder zu sehen, die zwar von uns finanziert, aber nur für die wenigsten interessant sind. Die deutsche Filmindustrie steckt seit Jahren bis zur Hüfte im Staatssumpf, ausgestattet mit Millionen aus dem Deutschen Filmförderfonds (DFFF). Es leiden Steuerzahler, Kinobetreiber und ganz besonders die Qualität der Filme.

Man erinnere sich an den Streifen „Frühling für Hitler“. Diese Showbiz-Satire aus dem Jahre 1968 vom seinerzeitigen Großmeister des Komödien-Kinos Mel Brooks erzählt die Geschichte eines erfolglosen Broadway-Produzenten und einem Buchprüfer, die für die Produktion eines großen Theaterstücks ein Darlehen aufnehmen – in der festen Absicht einen Flop zu finanzieren. Tritt dieser Fall ein, müssten sie das geliehene Geld nicht zurückzahlen. Was den Betrügern im Film misslingt, ist in der Realität Gang und Gebe in der deutschen Filmindustrie.

Fast 300 Millionen Euro an öffentlichen Geldern fließen Jahr für Jahr in Form von Darlehen in diesen Sektor. Die Rückzahlungsquote lässt sich schwer bestimmen, da es sich um ein kompliziertes Geflecht aus nationalen und regionalen Förderanstalten handelt. Der Oberste Bayerische Rechnungshof nennt in einem Bericht eine Rückzahlungsquote von maximal 15,5 Prozent zwischen 2004 und 2008. Übertragen wir diesen Anteil an zurückgezahlten Geldern auf Gesamtdeutschland, so werden 255 Millionen Euro nicht zurückgezahlt. Gehen wir von knapp 30 Millionen Besuchern (nur) deutscher Filme im Jahr 2014 aus, so hätte jede Kinokarte mit fast 8,50 Euro subventioniert werden können. Klingt wenig, ist aber tatsächlich mehr als der durchschnittliche Preis für eine Karte im Kino, nämlich 8,05 Euro. Bedenkt man, dass nicht jeder deutsche Film die Filmförderung beantragt, steigt die Subvention pro Karte noch einmal drastisch an. Dass hier der unternehmerische Anreiz verloren geht, ist offensichtlich.

Doch Subventionen bescheren dem deutschen Kino nicht nur Jahr für Jahr ein Verlustgeschäft, sie sind wie immer auch ein beliebtes Mittel von Funktionären, Einfluss zu nehmen. So wird ein Regisseur natürlich verpflichtet, in seinen Werken „relevante“ Themen anzuschneiden, über welche die Bürger in seinen Augen informiert zu sein haben – die Flut von Filmen über unsere düstere Vergangenheit zeugt davon. Es ist zu erwarten, dass sich ein Produzent, der einen Wirtschaftskrimi über böse Machenschaften der Großkonzerne mit einer alleinerziehenden Mutter und einem schwulen Rollstuhlfahrer als Protagonisten plant, nicht mehr vor Förderungsgeldern retten kann.

Tatsächlich haben 70 Prozent der Kinoproduktionen weniger als 10000 Zuschauer – diese Botschaften können also beim Durchschnittsdeutschen gar nicht auf diesem Wege ankommen,. Doch dies scheint die Bürokraten herzlich wenig zu interessieren. Dennoch gilt es, in den Augen der Befürworter dieser Zahlungen, die „deutsche Kultur“, wie auch immer sie sich in der durchwachsenen Filmlandschaft der heutigen Tage, wiederspiegeln mag, vor den Interessen der Profitwirtschaft zu schützen – dies würde dazu führen, dass nur noch eindimensionale Unterhaltungsstreifen produziert würden.

Die große Angst der Befürworter dieser Subventionen ist, dass sich die Filmschaffenden hierzulande, genau wie in Hollywood nur noch an dem orientieren würden, was der Durchschnitts-Kinobesucher sehen möchte. Dabei gibt es den Durchschnitts-Kinobesucher überhaupt nicht, sondern eine Vielzahl an Individuen mit so unterschiedlichen wie vielfältigen Geschmäckern und Interessen, was dafür sorgt, dass Hollywood eine enorme Bandbreite an Streifen produziert, welche diese Geschmäcker abdecken. Hinzu kommt die durchaus bedeutsame Indie-Filmszene in den USA, welche unabhängig von den großen Studios Filme auf die Leinwand bringt. Ganz ohne Staatsgelder hat diese bereits erfolgreiche Meisterwerke wie „Reservoir Dogs“, „Donnie Darko“ oder „Terminator“ hervorgebracht, die unlängst Eingang in die Populärkultur gefunden haben.

Im Widerspruch zu diesen Sorgen jedoch statten die Länder gerade die „Mainstream“-Produktionen aus den USA aus, die sie gleichzeitig verschmähen – vorausgesetzt, sie werden in der Region gedreht. Beispiele sind „Inglorious Basterds“, „Die Drei Musketiere“ und „Grand Budapest Hotel“. Was dies mit der Förderung nationaler Kultur zu tun haben soll, bleibt ein Rätsel. Der Grund für diese Subventionen besteht meist in der irrwitzigen Hoffnung, einen ökonomischen Mehrwert für das Bundesland zu erzielen.

Doch wir brauchen gar nicht erst über den großen Teich zu blicken, um ein fabelhaftes Beispiel für ganz großes Kino ohne jegliche staatliche Zuwendungen zu sehen. Es genügt ein historischer Ausflug zu den Anfängen unserer eigenen Geschichte der bewegten Bilder. Die Gründung der altehrwürdigen UFA datierte sich auf 1917 und fällt damit in die tragischen Jahre des Großen Krieges. Verantwortlich dafür zeichnete sich die Oberste Heeresleitung, welche mit dem neuen Filmstudio vor allem ein Ziel verfolgte: man wollte Propaganda für das kriegsmüde deutsche Volk produzieren.

Schon bald jedoch, setzte sich unter den Gründungsmitgliedern dieser Produktionsfirma die Deutsche Bank durch, welche mit der Förderung ausschließlich geschäftliche Interessen verfolgte. Nun sollten Kassenschlager für ein breites Publikum an den Mann gebracht werden. Die aufkeimende Vergnügungssucht der städtischen Milieus in den goldenen Zwanzigern zog immer mehr Menschen in die Kinosäle – in legendäre Werke wie „Dr. Mabuse“, „Nosferatu“ und „Die Nibelungen“.

Die Stummfilmära, die Schaffenszeit von Koryphäen wie Fritz Lang, Friedrich Murnau und Ernst Lubitsch gilt zurecht als Goldenes Zeitalter des deutschen Kinos. Leider muss man auch eingestehen, dass diese Zeit ihr tragisches Ende im finanziellen Misserfolg von „Metropolis“, Langs heute hochgeschätzten Meisterwerks, fand. In den Wirren dieser Epoche fand die UFA schließlich ihren Weg in die Hände des berüchtigten Hitler-Gönners Alfred Hugenberg.

Unter den heutigen Profiteuren der Umverteilung durch den DFFF, habe ich eine Gruppe bislang ausgelassen. Sie dient nämlich auch denjenigen, welche die Millionensummen letztendlich bekommen und sich in der Überzeugung sonnen, ihr Schaffen trüge zum Kulturerbe bei. Unlängst haben sich unter ihnen Lobbygruppen zusammengefunden, welche die Subventionierung deutscher Filme an eigene Forderungen koppeln wollen. Unter dem Motto „Pro Quote Regie“, haben sich 200 Filmemacherinnen zusammengefunden, die eine Frauenquote für die Regiestühle von 50 Prozent der geforderten Werke verlangen. Nur ein Beispiel dafür, welch bedeutende Einflussnahme der Politik auf die Kultur durch dieses Subventionssystem möglich ist.

Das deutsche System der Filmförderung ist kompliziert, teuer, ineffizient und dient einer umsorgten Filmemacher-Kaste und der Einflussnahme des Staates auf die Medien. Es ist gewissermaßen eine Art Leinwand-GEZ. Sich dagegen zu wehren scheint sinnlos. In letzter Zeit jedoch haben sich wortmächtige Interessengruppen zusammengefunden, um gegen diese Art der Umverteilung vorzugehen.

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Unter der Filmförderung leiden besonders stark die deutschen Kinobetreiber, welche gezwungen werden, einen nicht unbedeutenden Teil ihres Erlöses an die Filmförderungsanstalt FFA abzugeben. Ende 2013 klagte die Odeon & UCI Cinemas Group, welche 23 Lichtspielhäuser in Deutschland betreibt, in Karlsruhe. Sie blieb erfolglos – doch wurde gehört.

Zudem haben sich mittlerweile auch sehr viele neue Möglichkeiten eröffnet. Der Streaming-Dienst Netflix produziert seit einigen Jahren Serien und Filme, die so manchen Vergleich nicht scheuen brauchen. Besonders hervorzuheben ist hier die Webserie „House of Cards“ um den machthungrigen Politiker Frank Underwood und seinen Weg ins Weiße Haus. Eine Expansion dieses Geschäfts ist zu erwarten.

Auch Crowdfunding bietet völlig neue Chancen für Konsumenten wie Produzenten. In ein paar Jahren könnte es bereits so sein, dass große Filmprojekte mit gigantischen Summen von ganz unten unterstützt werden. Mit der Filmadaption der TV-Serie „Stromberg“ hat es auch in Deutschland bereits ein Projekt auf diesem Wege in die Kinosäle geschafft.

So sehr der Glauben in die Marktwirtschaft in der westlichen Welt sinkt – auf digitaler Ebene boomt sie. Auch für unabhängige Regisseure und Produzenten, die ihre eigenen Ideen umgesetzt sehen wollen, lohnt es sich optimistisch zu bleiben. Das neue Zeitalter bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, unsere Wünsche zu befriedigen. Konsumentennahe Filmproduktion und verschiedene Finanzierungskonzepte fördern Kreativität und Vielfalt. Das nützt den Kinogängern, aber auch den Filmschaffenden.