In der Modehauptstadt Paris wurden Regulierungen erlassen, die zu schlanke Models vom Laufsteg fernhalten sollen. Eine ursprüngliche Gesetzesfassung sah eine strikte Orientierung am Body Mass Index (BMI) vor. Diese wurde nun mit der veranlassten Gesetzesänderung gelockert, wobei weiterhin am BMI als zentrale Messgröße festgehalten wird. Genaue Kriterien sollen nun von einer Fachbehörde festgelegt werden. Models brauchen nun eine Bescheinung vom Arzt. Wer Models ohne Bescheinigung beschäftigt, kann mit sechs Monaten Gefängnis und 75.000 Euro Geldbuße bestraft werden.

Ich sprach mit Claudia Midolo, Gründerin und Inhaberin der Hamburger Modelagentur Modelwerk, über die Entwicklungen in der Modebranche und den Gesetzesvorstoß in Frankreich.

 

Frau Midolo, ob Print- oder Online-Medien, überall begegnen uns die Ergebnisse von Laufsteg-Präsentationen und Foto-Shootings. Was fasziniert Sie und viele andere nach wie vor für diese extravagante Welt?

Wir leben in einer sehr visuellen Welt, Marken werden immer mehr durch ihr Branding definiert. Um Branding visuell zu verkörpern braucht man die richtigen Gesichter und Personen, da kommen die Models, Markenbotschafter und Social Media Stars ins Spiel. Und das fasziniert mich sehr, daher freue ich mich auch, dass ich meine Leidenschaft in eine Karriere wandeln konnte.

 

Mit einem schönen Körper verbinden viele, vor allem, wenn man an die Mode-Branche denkt, sehr schlanke Models. Ist das für Sie der Ausdruck von Perfektion oder kann Schönheit vielseitig verkörpert werden?

Schönheit hat keine Formel und es gibt auch kein Rezept für Schönheit. Natürlich gibt es bestimmte Grundvoraussetzungen in der Modebranche – was die Größe der Models angeht zum Bespiel. Aber Schönheit kann in allen Altersklassen und Konfektionsgrößen verkörpert werden, heutzutage ist die Anfrage am Markt dazu größer denn je. Deshalb haben wir bei MODELWERK sowohl ein Plus Size Board als auch eine Best Ager Abteilung.

 

Ein zukunftsträchtiger Markt?

Ja, Nachfrage am Markt ist wirklich sehr groß und ich finde, wenn es Frauen gibt, die zu Übergewicht neigen, sollten diese auch durch Models repräsentiert werden. Die Kunden wollen sich eben auch identifizieren mit den Models. Ich finde diversity sehr wichtig im heutigen Business.

 

Mit dem Gesetz in Frankreich sollen nun gefährliche Untergewichte unterbunden werden. Gemessen wird dies am BMI. Halten Sie das für sinnvoll?

Ich finde es sehr schwer ein Model durch einen BMI zu beurteilen, da jeder Körper unterschiedlich ist und viele Mädchen einfach veranlagt sind mit einem schmalen Knochenbau, und dazu neigen schlank zu bleiben, egal was Sie essen. Aber ich finde es gut, dass man sich die Mädchen anguckt und schaut, ob sie einen gesunden Körper haben. Daran ist sicherlich nichts falsch.

 

Gibt es also eine Entwicklung in Richtung „Normalität“?

Es gibt auch schon Kunden die ganz normale Frauen von der Straße buchen, Dove Beauty ist ein gutes Beispiel. Aber die Frage ist ja, was ist eine normale Größe? Ich habe von Konfektionsgröße 34 bis 44 alle Größen vertreten in der Agentur. Ist nun die 36 oder die 40 eine normale Größe, das ist schwer zu sagen. Aber grundsätzlich ist das schon gut aufgeteilt, denke ich. Die Models, die wir für kommerzielle Projekte buchen sind alle sehr sportlich und weiblich zugleich. Das ist schon eine gute Verkörperung und visuelle Vertretung der Gesellschaft und des Werberelevanten Marktes.