Seit zwei Jahren gehört der Begriff „Fake News“ zum Standardrepertoire der politischen Berichterstattung. Ursprünglich wurde der Begriff benutzt, um echte oder vermeintliche Unwahrheiten von als „rechtspopulistisch“ bezeichneten Kandidaten wie Donald Trump in den USA oder den Brexit-Anhängern in Großbritannien zu bezeichnen. Heute steht er synonym für alle Formen von Lügen, die man anderen unterstellt, gleich welcher politischen Ausrichtung. Längst haben auch die Trumps dieser Welt den Begriff für sich entdeckt und begeistert übernommen.

Aber Lügen sind in der Geschichte alles andere als neu. Ganz im Gegenteil, in der Geschichte der Menschheit gehören Lügen eher zur Regel als zur Ausnahme. schon seit der Antike wurden bewusst Lügen in die Welt gesetzt, die sich Donald Trump und seine Gegner nicht besser hätten ausdenken können. Leider haben sich viele davon für immer durchgesetzt und gelten teilweise als Allgemeinwissen. Für mich als Kenner der Geschichte und Verfechter der Wahrheit schien es daher angebracht, eine kleine Sammlung der größten Fake News der Geschichte herauszugeben.

Als „Fake News“ habe ich erfundene und dramatisierte Geschichten als auch Fälle aufgenommen, in denen die Wahrheit abgestritten wurde. Außerdem mussten drei Bedingungen erfüllt sein: Die Geschichte muss nachweislich falsch sein, es darf also keine historische Kontroverse geben (wie z.B. um den Reichstagsbrand), sie muss bewusst als Lüge verbreitet worden sein (also keine wissenschaftlichen Irrtümer oder Überlieferungs – und Übersetzungsfehler) und sie muss einen großen Einfluss gehabt haben. So beginnt es beim alten Ägypten und endet im modernen Nahen Osten.

Das Buch ist hier für 3,20€ zu bestellen.

Ein Auszug:

In der Tschechoslowakei herrschte im November 1989, wie in den meisten anderen Staaten des kommunistischen Ostblocks, revolutionäre Stimmung. Am 17. November begann auch in der Tschechoslowakei mit einer ursprünglich genehmigten Studentendemonstration, die sich zu Protesten gegen das kommunistische Regime entwickelte, die Revolution. Mit rasender Geschwindigkeit nahm die Zahl der anti-kommunistischen Demonstranten zu, am 20. November waren schon 500.000 Menschen in Prag auf den Straßen. Den Revolutionären half dabei die Geschichte von einem von Sicherheitskräften getöteten Studenten: Martin Šmíd.

Während der aufgeheizten Stimmung am 17. November setzte Drahomíra Dražsk, die als Portier in einem Studentenheim arbeitete, das Gerücht in die Welt, dass ein Student von Sicherheitskräften getötet worden war. Dabei handelte es sich angeblich um den 19-jährigen Martin Šmíd aus der mathematisch-physikalischen Fakultät. Ein tschechischer Dissident, Petr Uhl, hörte die Gerüchte. Er war zwar selbst Marxist, hatte aber auch die Charta 77 unterzeichnet, die die Menschenrechtsverletzungen der kommunistischen Regimes anprangerte. Uhl glaubte Dražsk und erzählte die Geschichte dem bekannten anti-kommunistischen Sender „Radio Free Europe“, der im Kalten Krieg die osteuropäischen Länder im Geheimen mit verbotenen Nachrichten versorgte. Von dort aus verbreitete sich die Nachricht vom Tod des Studenten in der ganzen Tschechoslowakei. Schon am nächsten Tag war der Tod des jungen Studenten einer der, wenn nicht der Hauptantrieb für den Beginn der revolutionären Proteste gegen das kommunistische Regime.

Aber es gab keinen toten Studenten. Dražsk hatte sich die Geschichte ausgedacht. Warum sie das tat, ist bis heute nicht geklärt. In den nächsten Tagen musste Šmíd erstmal seinen eigenen Tod dementieren. Er rief bei seinen Verwandten und Freunden an oder antwortete auf seine Anrufe, außerdem wurde er von der Polizei darum gebeten, im Staatsfernsehen aufzutreten. Doch ausgerechnet das machte es anfänglich schlimmer. Šmíd wollte erklären, dass er noch am Leben sei, aber dennoch nicht alles in Ordnung war und viele seiner Kollegen tatsächlich von Sicherheitskräften verletzt worden waren. Um seine regimekritischen Aussagen zu vertuschen, wurde das Interview deutlich erkennbar geschnitten. Darüber hinaus wurde angeblich eine neue Kamera benutzt, mit der sich die Verantwortlichen nicht auskannten, weswegen das Bild schwarz-weiß war, was auch in kommunistischen Ländern schon unüblich war. Zu allem Überfluss trat Šmíd sehr nervös auf. Ein geschnittenes Interview in schwarz-weiß mit einem nervösen Jugendlichen, und das auch noch gedreht in einer Rezeption in einem Studentenheim, von einem Sender, der für seine chronischen Lügen bekannt war – dümmer hätte ein Dementi kaum ausfallen können, auch wenn es diesmal tatsächlich der Wahrheit entsprach. Die meisten Regimekritiker glaubten dem Staatsfernsehen nicht, sie glaubten an eine Vertuschung. Šmíd musste sogar am nächsten Tag wieder im Fernsehen auftreten, um die neu entstandenen Gerüchte erneut zu widerlegen.

Die Dynamik der Revolution war jedoch nicht mehr aufzuhalten. Am 25. November sollen in Prag, wo damals etwa 2 Millionen Menschen lebten, 800.000 Menschen auf den Straßen gewesen sein. Vom Anfang der Proteste an dauerte es nur sieben Wochen, bis Ende Dezember, und der kommunistische Einparteienstaat war aufgelöst und durch ein Mehrparteiensystem ersetzt worden, die politischen Häftlinge freigelassen worden, die Oppositionellen um Václav Havel hatten die Macht übernommen und die Grenze zum Westen geöffnet worden. All das ging ohne einen einzigen Toten vonstatten. Diese wundersame Entwicklung gab der Revolution den Namen „Samtene Revolution“.

Bis heute halten sich Theorien, wer hinter dem Gerücht um den angeblichen Tod von Šmíd steckte und was er damit bezweckte. Viele gehen davon aus, dass die Opposition einfach gelogen hatte, um das Regime anzuschwärzen und das Volk auf die Straßen zu bringen. Andere Theorien gehen davon aus, dass Teile des kommunistischen Regimes hinter dem Gerücht steckten. Es ist auffällig, wie schnell die kommunistische Herrschaft in der Tschechoslowakei implodierte: Während in den anderen osteuropäischen Ländern monate- oder, wie in Polen, jahrelang demonstriert worden war, dauerte der Sturz der Kommunisten in der Tschechoslowakei gerademal sieben Wochen. Deshalb vermuten viele, dass jüngere Kader in der kommunistischen Partei, unter dem Eindruck der Revolutionen in den anderen kommunistischen Ländern, den Sturz der Partei beschleunigen wollten, um sich selbst für die zukünftige politische Landschaft in eine bessere Situation zu bringen. Diese Theorie ist heute am beliebtesten, aber Beweise gibt es trotz der Ansetzung von Untersuchungskommissionen nicht.

 

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