Die im ersten Teil dieser Serie erwähnten Probleme werden in der Ökonomie als Externe Effekte bezeichnet. Dies sind Effekte, die für Dritte auftreten, wenn man zur Nutzenoptimierung einen Prozess ausführt. Im konkreten Beispielfall profitiert ein Kraftwerksbetreiber vom Geld eines Stromkunden, dieser wiederum hat Licht und Energie, um Geräte zu betreiben. Dritte leiden aber nun unter Landverlust, wenn das beim Kraftwerksbetrieb frei gesetzte CO2 das Klima erwärmt, den Meeresspiegel erhöht und damit Land überschwemmt. Der “Dritte” kann in solchen Beispielen auch einer der “Zweien” sein. Ein Landwirt, der mit seiner Produktion massiv Lachgas emittiert, leidet gegebenenfalls darunter, dass sein Land vertrocknet, wenn durch den Treibhauseffekt ein trockenes Klima in seine Region verschoben wird.

Ein Externer Effekt muss nicht nur negativ sein. Oben angedeutete Phänomene können dazu führen, dass ein Eigentümer kargen Landes dieses überhaupt erst gewinnbringend nutzen kann. Die Produktion eines Landwirtes kann sich also auch erhöhen.

Welche Maßnahmen wurden bereits ergriffen?

Im freien Markt können solche Probleme generell durch Schiedsgerichte und Schlichtung geregelt werden – dazu später aber mehr. Aktuell wird durch die Politik schon einiges versucht, den Anthropogenen Klimawandel in den Griff zu bekommen. Prominente Maßnahmen sind beispielsweise die Förderung Erneuerbarer Energien. Zwar werden auch im Falle dieser Energien fossile Brennstoffe zum Bau und Betrieb verbraucht, die daraus resultierenden CO2-Emissionen sind aber bedeutend kleiner als jene, die beim Betrieb von Kohle-, Öl- und Gaskraftwerken entstehen. Pro Megawattstunde Strom werden bei Erneuerbaren Energien je nach Technologie zwischen zehn bis 100 Kilogramm CO2 frei. Gaskraftwerke emittieren zwischen 400 bis 700 Kilogramm und Kohlekraftwerke zwischen 800 bis 1.200 Kilogramm.

Im Falle der Erneuerbaren Energien lassen sich die kleinen Emissionen langfristig auch durch den Einsatz von Ökostrom auf Null reduzieren. Bei der Nutzung von Fissionsenergie (auch Kern- oder Atomkraft genannt) entstehen ebenso ungefähr 50 Kilogramm CO2 pro Megawattstunde, wenn man den vollen Prozess betrachtet. Dadurch, dass weltweit aber immer mehr Energie verbraucht wird, reduziert sich aktuell der CO2-Austoß durch die Förderung nicht absolut. Es wird lediglich ein geringerer Zuwachs erzielt.

Weitere Maßnahmen sind verschiedene gesetzliche Limits beim CO2-Ausstoß pro Kilometer einer Fahrzeugflotte eines Automobilkonzerns oder gesetzliche Mindeststandards bei verschiedenen Technologien. Diese reichen vom Kühlschrank bis hin zu Heizsystemen.

Dies ist vergleichbar mit der Broken Window Fallacy, bei der die positiven Auswirkungen einer Handlung im Fokus stehen, während die positiveren Auswirkungen der unterlassenen alternativen Handlung nicht gesehen werden.

Sowohl die Förderung der Erneuerbaren Energien als auch bestimmte gesetzliche Standards bei der CO2-Emission pro Nutzeneinheit leiden aber an einem großen Problem: Die Kosten pro vermiedener CO2-Emission schwanken erheblich. Nicht nur, weil die Technologien zur Erreichung der Ziele unterschiedlich viel kosten, sondern auch, weil die tatsächliche absolute Einsparung sehr unterschiedlich, wenn nicht sogar negativ ausfallen kann. Hinzu kommt, dass durch die politische Steuerung von Technologieförderung, der optimalen Lösung, welche sich im Markt bilden würde, Ressourcen entzogen wird. Dies ist vergleichbar mit der Broken Window Fallacy, bei der die positiven Auswirkungen einer Handlung im Fokus stehen, während die positiveren Auswirkungen der unterlassenen alternativen Handlung nicht gesehen werden.

Die Volkswirtschaft der Erde wird also ineffizient mit Einsparungszielen belastet. Diese wiederum stehen keinen genau definierten Schadenskosten gegenüber. Ich hatte bereits qualitative Beispiele möglicher Schäden und auch Zahlen genannt. Diese aber erfassen nicht annähernd die Komplexität von Kosten und Nutzen des Anthropogenen Klimawandels. Hinzu kommen noch Risiko und Unsicherheit. Mit welcher Wahrscheinlichkeit tritt welcher Schadens- und Nutzenfall wann ein? Bei welchem Signifikanzniveau wollen wir reagieren?

Ein nur unzureichendes, weiteres politisches Mittel ist der Emissionshandel. Inspiriert vom US-amerikanischen Handel für Zertifikate von bestimmten Abgasen, gibt es in der EU einen vergleichbaren Handel für die Nutzungsrechte an CO2-Emissionen. Dieser erlaubt bestimmten Industrien die CO2-Emission nur dann, wenn sie entsprechende Rechte an einer Börse dazu erworben hat. Der Rechtepool soll in Zukunft nach und nach reduziert werden, kann aber durch emissionskompensierende Projekte ergänzt werden. Wer also bestimmte Umweltschutzmaßnahmen ergreift, bekommt nach bestimmten Standards Zertifikate ausbezahlt, die er wiederum an der Börse gewinnbringend verkaufen kann.

Unabhängig davon, dass die Preise der Zertifikate nur eine künstliche Knappheit, nicht aber realen Schaden widerspiegeln, so werden die Einahmen aus dem Handel ineffizient verwendet, zum Beispiel um Subventionen von Effizienzprojekten zu finanzieren.

Alle politischen Maßnahmen haben also lediglich die Eigenschaft, den Klimawandel zu reduzieren. Sie schaffen aber keinen ernstzunehmenden Täter-Opfer-Ausgleich. Darüber hinaus ignorieren sie die Möglichkeiten vollwertiger Marktmechanismen und machen sich diese nur stark eingeschränkt zu nutze.

Welche Maßnahmen wären aber effizient?

Wann sollte ein Individuum über eine Verhaltensänderung nachdenken? Dann, wenn der aktuelle Prozess zur Zielerreichung günstigere Alternativen hat, mindestens jedoch dann, wenn Kosten und Nutzen in keinem positiven Verhältnis mehr stehen. Wie weiter oben beschrieben, können Teile der Kosten die Kompensation eines Dritten sein, der durch den Prozess geschädigt wird. Die Festlegung einer Schadenshöhe ist ein subjektiver Prozess. Ein objektives Optimum ist theoretisch gesehen nicht möglich. Seit jeher aber haben Menschen in Schiedsgerichtsverfahren einen Ausgleich zwischen Täter und Opfer herstellen können. Richter und Mediatoren, die von beiden Seiten als fair befunden wurden, halfen zu vermitteln.

Wie kann ein solcher Prozess konkret im Falle des Anthropogenen Klimawandels aussehen?

Zunächst ist die Bestimmung des Schadens unerlässlich. Eine internationale Bündelklage kann hier helfen. Mögliche Opfer sind beispielsweise:

  • Landbesitzer nahe der Küste,
  • Bauern, die bei wandelndem Klima ihre Produkte ändern müssen oder gänzlich Land verlieren,
  • Versicherungsunternehmen im Auftrag ihrer Kunden, die mit erhöhten Risiken am Versicherungsobjekt konfrontiert sind,
  • Eigentümer von Skigebieten, die Umsatzeinbuße durch ausbleibenden Schnee erleiden müssen,
  • und viele mehr.

Diese sind nach dem juristischen Grundsatz “in dubio pro reo” (im Zweifel für den Angeklagten) in der Beweispflicht. Organisiert von Anwälten, können Studien erhoben werden. Wahrscheinlich kann man schon auf bestehendes Material zurückgreifen und Ergänzungen vornehmen. Letztlich müssen Erwartungswerte und Streuungen möglicher Schäden ermittelt sein. Die Ausmaße der Klage wären historisch einmalig. Eine Klägergruppe im zehnstelligen Bereich ist durchaus denkbar, ein Klagevolumen im 13- bis 14-stelligen Bereich realistisch. Zu den Kosten später mehr.

Danach sind die Täter zu bestimmen. Hier gehört jeder dazu, der den natürlichen Regelkreislauf der Klimagase durch unnatürliche Emission stört. Das sind in erster Linie die, die fossile Kohlenstoffe fördern und an der Oberfläche in CO2 umsetzen. Des Weiteren sind das aber auch Landwirte und solche, die natürliche Flora zerstören und unzureichend ersetzen. Dies passiert z. B. durch Rodung von Urwald. Die Anzahl der Täter ist also ebenso zehnstellig. Der Nutzen aus den Emissionen schätze ich auch im 13- bis 14-stelligen Bereich, betrachtet man die Opportunitäten: CO2-arme Alternativen in der Energienutzung tendieren dazu, noch deutlich teurer als CO2-emittierende Technologien zu sein. Allein die EEG-Kosten in Deutschland haben die 100 Mrd. € Grenze bereits überschritten.

 

Eine Richtergemeinschaft muss ebenso gefunden werden. Da sich der Schaden sehr komplex bildet, braucht es hierzu sicherlich eine ungewöhnlich hohe Zahl an Gutachtern.

Ist ein solcher Prozess realistisch?

Theoretisch eindeutig ja. Sowohl auf einer politischen Ebene als auch auf einer rein marktbasierten Ebene sollte ein solcher Prozess abbildbar sein. Es gab schon eine Vielzahl von Klimakonferenzen, die eine Reihe ineffizienter Anforderungen an verschiedene Staaten zur Folge hatten. Bei den Treffen kamen Staatsvertreter zusammen, entschieden über die Ziele und leiteten Maßnahmen ab. Teile dieser Maßnahmen sind schon seit Jahrzehnten in Kraft und beeinflussen allein in Deutschland elf- bis zwölfstellige Umsätze in den entsprechenden Branchen.

Allein schon Rufe, den Emissionshandel innerhalb eines regulierten Rahmens effizienter zu gestalten, verhallen.

Praktisch mangelt es letztlich am Wille aus Politik und Wirtschaft. Der Fokus ist aktuell so stark auf politischen Lösungen, dass Marktlösungen kaum zur Sprache kommen. Allein schon Rufe, den Emissionshandel innerhalb eines regulierten Rahmens effizienter zu gestalten, verhallen. Ein gutes Beispiel ist das Upstream Emissions Trading als Alternative zum Downstream Emissions Trading. Letzteres ist das aktuell in der EU umgesetzte System. Downstream besagt, dass am Schornstein gemessen wird, wie viel CO2-Ausstoß vorliegt – also am Ende des “Streams”. Hierfür müssen entsprechende Zertifikate vorliegen.

Dies mag auf den ersten Blick einleuchtend klingen, wäre aber für die unzähligen kleinen Verbraucher wahrscheinlich nicht effizient abbildbar. Deshalb gilt der EU-Emissionshandel auch nur für Großindustrien. Der Upstream Ansatz hingegen unterstellt schon an der Quelle der Kohlenstoffe – also “upstream” am Bohrloch oder in der Mine – die Verbrennung und damit die Emission. Da es keinerlei ernstzunehmende kleine Förderer von Kohlenstoffen gibt, wäre dieser Ansatz durchaus effizient darstellbar. So wäre jeder Verbraucher indirekt belastet und würde angeregt, emissionsärmere Alternativen zu suchen und zu nutzen. Das System des Upstream Modells ist auch im Täter-Opfer-Ausgleich verwertbar. Zahler der Kompensation ist dann also nicht der Gasheizungsbesitzer, sondern der Gasproduzent.

Aber: sollte sich herausstellen, dass der anthropogene Anteil am ohnehin vorhandenen (natürlichen) Klimawandel nicht gerichtlich beweisbar ist, so kann sich das Verfahren erübrigen. Auch könnten Schätzungen ergeben, dass die Schadenskosten die Schiedsgerichtsprozesskosten nicht rechtfertigen.

Ist eine Festlegung auf eine Kompensation pro Tonne CO2 realistisch?

Bedingt. Betrachtet man die Unsicherheiten bei der Bestimmung von Kosten und Nutzen, kann es sein, dass es nie zu einer Lösung kommt. In einem solchen Fall wären aber auch die aktuellen, politischen Lösungen nicht zu rechtfertigen. Einer groben Kostenschätzung können wir uns schon jetzt aber nähern: Die gut 15 Milliarden Tonnen CO2, die die Menschheit aktuell jährlich dem natürlichen CO2-Kreislauf hinzufügt, entsprechen zwei bis drei ppm (parts per million) pro Jahr. Seit 1850 sind so bereits gut 100 ppm zum als natürlich unterstellen Niveau von etwa 280 ppm hinzu gekommen. Halten wir das aktuelle Emissionsniveau, so erreichen wir spätestens 2100 einen Wert von 560 ppm.

Steigt die Temperatur also um drei Grad Celsius, der Meeresspiegel damit um gut fünf Meter, so sind etwa 800.000 Quadratkilometer bedroht.

Aktuelle Forschungen gehen davon aus, dass die Klimasensitivität etwa drei Grad Celsius beträgt. Die Klimasensitivität beschreibt die Temperatursteigerung bei einer Verdopplung des atmosphärischen CO2-Gehalts. Weiter oben stellte ich bereits fest, dass auf lange Sicht ein Anstieg des Meeresspiegels von sieben Metern zu erwarten ist, wenn die Temperatur um vier Grad Celsius steigt. Des Weiteren bedeutet ein Anstieg von einem Meter einen weltweiten Landverlust von 150.000 Quadratkilometern. Steigt die Temperatur also um drei Grad Celsius, der Meeresspiegel damit um gut fünf Meter, so sind etwa 800.000 Quadratkilometer bedroht. Nimmt man den deutschen Maßstab, so kostet Bauland rund 150 Euro und Ackerland rund zwei Euro pro Quadratmeter, Forst etwas weniger.

Gut zehn Prozent der deutschen Landfläche sind bebaut. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis liegt so bei etwa 20 Euro. Der Wert der oben bezifferten Fläche beläuft sich also auf 16 Billionen Euro. Verteilt man diese Summe auf die nächsten 80 Jahre, so erhält man jährliche Landschadenskosten von 200 Milliarden Euro. Hier außen vorgelassen ist die Verzinsung, da der Landverlust mit einer Latenz von mehreren Jahrzehnten eintritt. Der Schaden pro Tonne CO2 beträgt also sieben Euro (auf die gesamten anthropogenen Ausstoß gerechnet). Hinzu kommen Veränderungskosten und erhöhte Unwetterrisiken – die EPA, das US-amerikanische Umweltministerium schätzt die Kosten je nach Jahr auf elf bis 95 Dollar, je nach Jahr und Abzinsung. Dies erhöht die Stromkosten beispielsweise durchschnittlich drei Cent pro Kilowattstunde und den Benzinpreis um 15 Cent pro Liter. Diese Kosten stehen also in keinem Verhältnis zur aktuellen Ökosteuer auf den Benzinpreis und zu den Technologiesubventionszuschlägen auf den Strompreis.

Alternativen

Entwickelt sich in den nächsten 20 bis 30 Jahren die Kernfusion zur Marktreife, erübrigen sich fossile Kohlenstoffe – bis auf den chemischen Bedarf – vollständig. Schon vorher können auch Erneuerbare Energien Preise erreichen, welche die langfristig steigenden Kohlenstoffkosten unterbieten – dies auch ohne CO2-Kosten und inklusive der Speicherkosten für die Volatilität der Sonnen- und Windstromerzeugung. Auch wenn man die bereits geleisteten Subventionen in die Erneuerbaren Energien kritisch sehen mag, so sind diese letztlich Sunk Costs. Sie sollten also in zukünftigen Investitionsrechnungen nicht berücksichtigt werden. Auch offen bleibt, wie es mit der Fissionsenergie weitergeht. Neue Verfahren können beispielsweise radioaktiven Müll eher reduzieren, als ihn zu vermehren [5].

Fazit

Was die Zukunft tatsächlich bringt, ist schwer einzuschätzen. Wenn Liberale, Forscher und Unternehmer aber nicht ihre Ideen in die Debatte einbringen, sind weitere ineffiziente politische Maßnahmen zu befürchten. Ein Plan, so unrealistisch er auch sein mag, verlockt nun mal mit der Illusion von Planungssicherheit. Schaffen wir hingegen Freude am Unbekannten, Neugier nach unkalkulierbaren Lösungen und Vertrauen in die dezentrale gesellschaftliche Organisation, dann sollte auch eine Herausforderung wie der Anthropogene Klimawandel ohne staatliches Zutun zu meistern sein.