Gastbeitrag von Dr. Hubertus Porschen, Bundesvorsitzender des Wirtschaftsverbands DIE JUNGEN UNTERNEHMER

Wer heute den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, hofft meist auf Unabhängigkeit, Selbstverwirklichung, wirtschaftlichen Erfolg und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Woran viele nicht denken – es aber tun sollten – ist die Altersvorsorge, die sie selbst in die Hand nehmen müssen. Grundsätzlich dürfte es mit dem Ethos des Selbstständigen nämlich nicht vereinbar sein, wenn im Alter die Solidargemeinschaft mittels Steuergeld („Grundsicherung im Alter“) für die eigene Versorgung im Ruhestand einstehen muss. Ich glaube auch nicht, dass es zu viel verlangt ist, wenn man Selbstständige dazu anhält, sich Gedanken über ihre Altersvorsorge zu machen und entsprechende Vorkehrungen zu treffen.

Für die Bundesregierung ist es der zweite Anlauf

Die Bundesregierung ist fest entschlossen, der Altersarmut bei den Selbstständigen vorzubeugen und will einen geeigneten Rechtsrahmen setzen. Die jetzt wieder entfachte Diskussion um die Einführung einer Altersvorsorge- oder einer Rentenversicherungspflicht für Selbstständige ist nicht neu. Zuletzt hatte sich die damalige Arbeitsministerin Ursula von der Leyen recht vergeblich an diesem „Projekt“ versucht. Die Gründe ihres Scheiterns waren dabei vielfältig.

Selbstständige nicht über einen Kamm scheren

Zum einen ist die schiere Zahl der Selbstständigen in Deutschland keine homogene Masse. Von den 3,6 Millionen Selbstständigen ist ein großer Teil über berufsständische Versorgungswerke abgesichert. Bleiben 2,7 Millionen übrig, von denen 1,6 Millionen klassische Soloselbstständige sind. Von denen wiederum zahlen rund 250.000 freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Selbst jene, die dann noch ohne gesetzlichen Versicherungsschutz unterwegs sind, sind nicht per se von Altersarmut bedroht. Zum einen weil viele ihre Selbstständigkeit in Teilzeit neben einer Angestelltentätigkeit ausüben. Zum anderen, weil man den Haushaltskontext berücksichtigen muss. In vielen Fällen gibt es den Lebenspartner, der eben zur finanziellen Stabilität des Haushaltes auch im Alter beiträgt.

Größere Auswahl bei der Vorsorge-Palette

Weitere Faktoren kommen hinzu. Ursula von der Leyen ist seinerzeit mit ihrem Vorschlag deswegen gescheitert, weil sie beispielsweise die Palette an Produkten, die als Altersvorsorge anerkannt werden sollten, viel zu schmal aufgestellt hat. Lediglich das freiwillige Einzahlen in die gesetzliche Rentenversicherung, die Rürup-Rente, Lebensversicherungen sowie mit vielen Abstrichen Immobilien, wollte sie als Altersvorsorge anerkennen. Aus meiner Sicht ist das viel zu kurz gegriffen! Betriebsvermögen sowie Aktien müssen mindestens ebenso Eingang in das Produktportfolio finden.

Befreiung in den ersten Gründerjahren

Zudem wurde seinerzeit nicht verstanden, dass junge Unternehmer und Gründer, ihr Kapital zu allererst in das Unternehmen stecken und nicht in ihre eigene Altersvorsorge. Es geht dabei um Summen von 300-400 Euro im Monat. Für viele Gründer ist das nicht wenig. Insofern muss es bei der Altersvorsorgepflicht für Selbstständige Ausnahmeregeln für Gründer geben. Beispielsweise, dass sie für die ersten fünf Jahre von der Altersvorsorgepflicht befreit sind.

Keine Pflicht zur gesetzlichen Rentenversicherung

Mittlerweile heißt die Arbeitsministerin innerhalb der Bundesregierung nicht mehr von der Leyen sondern Nahles. Es bleibt zu hoffen, dass die jetzige Ministerin nicht mit dem Kopf durch dieselbe Wand will. Wir junge Unternehmer (unser Verband vertritt rund 1.500 Unternehmer und Gründer) werden jedenfalls nichts unversucht lassen, damit die Altersvorsorgepflicht für Selbstständige auch den richtigen Rahmen bekommt:
Keine Rentenversicherungspflicht. Sondern: Selbstständige sollen die Wahl für ihre Form der Altersvorsorge haben. Sie sollen aus einer breiten Palette von Vorsorgemöglichkeiten wählen können und Gründer anfänglich befreit werden.

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