Das Thema Rente kennt jeder. Als lästigen Papierkram, aus dem Unterricht oder aus Talkshows. In Deutschland ist jeder zur Alterssicherung in einem Umlagesystem verpflichtet. Ausnahmen bilden Unternehmer und Beamte. Grundlage des Umlagesystems ist die Idee des sogenannten Generationenvertrags. Arbeitnehmer und Arbeitgeber finanzieren die Rentenbeiträge der Rentner. Wenn sie zu Rentnern werden, übernehmen das die neuen Arbeitnehmer.

 

Unvollständiger Generationenvertrag

Es ist ein für Krieg und Finanzkrisen sicheres System. Das sind u.a. die Gründe, warum dieses System nach den historischen Erfahrungen in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts 1957 eingeführt wurde. Doch der Generationenvertrag blieb unvollständig, weswegen er immer mehr unter Druck gerät. Ursprünglich angedacht war auch eine Kinderrente. Kinder sollten wie Altersrentner durch eine Umlage finanziert werden. Außerdem sollten Kinderlose doppelte Beiträge zahlen. Das wurde nicht umgesetzt und lud zu einem “Freerider-Effekt” ein. Das heißt, von einem durch eine Gruppe finanzierten Projekt zu profitieren, ohne dessen Lasten voll mit zu tragen. Viele, vor allem gut ausgebildete Akademiker sagen: “Ich möchte noch etwas erleben.”; “Kinder stehen meiner Selbstverwirklichung im Weg.” Sie zahlen einmalig und erwerben dafür ihre Rentenansprüche. Menschen mit Kindern haben hingegen im Umlagesystem einen erheblichen Nachteil. Sie zahlen doppelt. In die Rentenkasse – auch für Menschen die lieber keine Kinder bekamen – und außerdem für ihren Nachwuchs. All das während die hohen Kosten von Kindern in den Medien regelmäßig hochgerechnet werden. Eine Belastung, die viele nicht ohne erhebliche Einbußen des Lebensstandards tragen können. Der doppelte Ausgleich wäre nicht nur fairer gewesen. Mit dem Ausbleiben fehlt auch ein erheblicher Anreiz, die neue und nötige Generation von Beitragszahlern aufzuziehen. Im Vergleich zu den USA stellte sich wohl auch deswegen ein Geburtenrückgang ungebremst ein und setzt das Umlagesystem zunehmend unter Druck. Sozialpolitische Debatten tun sich auf, wobei der letzte Schrei – nach reiner Steuerfinanzierung – alles andere als zielführend ist.

Was ist Kapitaldeckung?

Eine Lösung des Demografie-Problems könnte die Einführung einer teilweisen Kapitaldeckung der Rentenvorsorge sein. Diese könnte schrittweise erhöht werden.

Merz formulierte seinen Vorschlag ergebnisoffen. Arbeitnehmer sollten an den Gewinnen von Unternehmen beteiligt werden, wodurch für sie auch die Zusammenhänge der Wirtschaft verständlicher werden. Doch wie sieht eine kapitalgedeckte Rentenversicherung aus? Egal ob Betriebsrente oder Lebensversicherung, im klassischen Sinne läuft es im Grunde auf das Gleiche hinaus. Die Rentenbeiträge werden direkt in Aktien oder in Fonds angelegt. Dies geschieht indirekt über die Betriebe, die Fonds engagieren oder selbstständig investieren. Unternehmer und Zusatzversicherer entscheiden sich auch oft für Aktien und Fonds. Die Wertsteigerung am Aktienmarkt erhält im besten Fall den Wert oder steigert ihn. Ab dem Eintritt ins Rentenalter geht die Verfügungsgewalt über die erarbeiten Werte an die Einzahler zurück. Dies kann durch Renditeausschüttung oder durch stückweise Verkäufe des Aktienportfolios von statten gehen.

Nachteile und Vorteile

In Deutschland könnte das so aussehen, dass von den jetzigen Beiträgen die ca. 18,6 Prozent des Gesamtgehalts ausmachen erst zehn Prozent, dann nach einigen Jahren 20 und dann 30 verpflichtend angelegt werden müssen. Der Arbeitnehmer entscheidet dann wie er anlegen möchte.

Die Nachteile von kapitalgedeckten Rentenversicherungen liegen im möglichen Wertverlust im Zuge von Wirtschaftskrisen oder fehlerhaften Investments. Doch die Vorteile überwiegen. Wenn die Kapitaldeckung nur einen Teil der Altersvorsorge ausmachte, schwächt sich dieses Risiko ab. In Zeiten des Nullzinses sind Kapitalanlagen außerdem hoch rentabel. Das wird auch mittelfristig so bleiben. Hierauf die Altersvorsorge aufzubauen ist eine gute Idee. Es bleiben außerdem die generellen Vorteile und Notwendigkeiten. Wird die Kapitaldeckung schrittweise erhöht, entschärfen sich auch die Probleme des Umlageverfahrens. Die Arbeitnehmer beschäftigten sich mehr mit dem Aktienmarkt. Das erhöht die Kenntnis über die Wirtschaft im Allgemeinen und wenn sie in ihre eigenen Betriebe investieren, stärkt das auch die Verbundenheit zu ihren Unternehmen.

Merz war Deutscher Aufsichtsratsvorsitzender des größten Vermögensverwalters der Welt: BlackRock. Daher war es sicherlich nicht sonderlich geschickt, diesen Vorschlag persönlich zu setzen. Das wirkte ungefähr so wie ein Gerhard Schröder der behauptete, dass Gas im Winter am Besten wärmt. Doch es bleibt ein guter und interessanter Vorschlag. Das Rentensystem muss sich ändern. Das Einführen und Erhöhen der Kapitaldeckung wäre ein wesentlicher Schritt in die richtige Richtung.

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