„Die Teilnahme der Frau an den Interessen des Staates ist nicht ein Recht, sondern eine Pflicht.“

Louise Otto-Peters prägte diesen Satz 1843. Sie war eine der frühen Aktivistinnen der deutschen Frauenbewegung. Diese Begann um 1813 mit der Gründung der ersten deutschen Frauenvereine. Die Vereine fühlten sich vorerst für Belange der Wohlfahrt zuständig, waren aber der Vorläufer der politischen Frauenvereine, die ab 1865 in großer Zahl gegründet wurden. Vorreiter war der Allgemeine Deutsche Frauenverein (ADF). 1894 gründete sich der Bund Deutscher Frauenvereine, dem knapp 20 Jahre später bereits 2200 Vereine angehörten. Die meisten Vereine setzten sich zuerst vor allem für eine Verbesserung der Mädchenbildung und eigenständige Erwerbsmöglichkeiten für Frauen ein, um die Frauenarmut zu bekämpfen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden auch die Rufe nach dem Wahlrecht für Frauen immer lauter. Während des ersten Weltkrieges wurden immer mehr Tätigkeitsfelder für Frauen geöffnet. Die Männer waren häufig invalide oder im Krieg geblieben, es fehlten Arbeitskräfte und die Frauen brauchten Arbeitsstellen. Damit war vielen Gegnern des Frauenwahlrechts der Wind aus den Segeln genommen: 1918, mit der Begründung der Weimarer Republik, durften Frauen das erste mal an politischen Wahlen teilnehmen.

Doch die neue politische und gesellschaftliche Position der Frauen wurde während der Herrschaftszeit Hitlers wieder zurückgeworfen. Emanzipatorische Bewegungen wurden als jüdische oder marxistische Ideen klassifiziert und bekämpft, Frauen wurden aus politischen Positionen und vom Arbeitsmarkt verdrängt, der Bund deutscher Frauenvereine löste sich unter dem Druck des Regimes selbst auf. Erst nach dem Krieg gründeten sich wieder überparteiliche Frauenausschüsse. Sie erreichten 1949 die Verankerung der Gleichberechtigung von Mann und Frau in Artikel 2, Absatz 3 des Grundgesetzes. Nach diesem Erfolg kam es zu einem Absinken des feministischen Engagements und die Bewegung konzentrierte sich auf die gesellschaftliche Umsetzung und Unterstützung des Gleichberechtigungsartikels.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Leffler_-_WomensLib1970_WashingtonDC.jpg

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Mitte der 1960er begann die neue feministische Bewegung, der auch Alice Schwarzer angehörte, aktiv zu werden. Ihre Ziele waren die Selbstverwirklichung, Selbstbestimmung, Gleichbehandlung und Gleichstellung der Frau. In den 70ern wurde die Bewegung zunehmend in den Massenmedien präsent. Das bekannteste feministische Medienprodukt ist wohl die Zeitschrift EMMA, die seit 1977 herausgegeben wird.

Seit den 80er Jahren differenziert sich die Frauenbewegung wieder zunehmend und hat sich mittlerweile in eine feministische und eine antifeministische Strömung geteilt. Die Antifeministinnen kämpfen dagegen, dass Feministinnen immer weitere staatliche Maßnahmen zum Schutz der Frau fordern, und damit dem Prinzip der Gleichberechtigung nicht entsprechen. Die heutige feministische Bewegung ist über das Ziel hinaus geschossen. Doch den alten Feministinnen verdanken Frauen ihr Wahlrecht, ihre Gleichberechtigung und ihre Selbstbestimmung.