Das Europäische Parlament hat mit überwältigender Mehrheit am 24. Oktober für ein Verbot von zahlreichen Plastikprodukten gestimmt. Als Begründung gilt die zunehmende Belastung der Meere durch Einwegplastik. Ab 2021 sollen daher zum Beispiel Einwegteller und Besteck aus Plastik, sowie Wattestäbchen und Luftballonhalter verboten werden. Ferner sollen Hersteller vieler Einwegprodukte direkt für die Entsorgung dieser Produkte zahlen, obwohl sie eine umweltschonende Entsorgung nicht sicherstellen können, da diese vom Verbraucher abhängt. Dieser entscheidet ja, ob er seinen Abfall fachgerecht entsorgt oder einfach auf die Straße oder den nächsten Fluss schmeißt.

Die Verschmutzung der Ozeane ist ein großes Problem und es ist sehr richtig, dass Zivilgesellschaft und Politik nach Lösungen suchen. Verschmutzte Strände und verletzte Meerestiere müssen der Vergangenheit angehören. Die aktuellen Pläne der Europaparlamentarier werden dabei jedoch leider nur wenig helfen.

Lediglich 2% der Plastikverschmutzung in den Ozeanen werden von der EU und den USA verursacht. Allein der südostasiatische Staat Myanmar trägt mehr zur Belastung der Weltmeere mit Plastik bei als alle Länder der Europäische Union zusammen. Und obwohl die USA gerne als Buhmann in der Umweltpolitik gesehen werden, schmeißt selbst das ärmliche Nordkorea mehr Plastik ins Meer als die größte Volkswirtschaft der Welt.

Die Länder, die die Meere am meisten verschmutzen, zeichnen sich meist dadurch aus, dass sie nur sehr geringe Umweltauflagen und Eigentumsrechte haben. Anstelle ganze Produktreihen und Materialien in Europa zu verbieten, sollten sich unsere Anstrengungen eher darauf konzentrieren gewisse Standards und Eigentumsrechte in Ländern wie China, Indonesien und Brasilien zu bewerben. Forscher des Helmholtz Zentrum für Umweltforschung haben berechnet, dass die zehn Flusssysteme mit der höchsten Plastikfracht alle in Entwicklungsländern liegen und für circa 90% des globalen Plastikeintrags ins Meer verantwortlich sind. Der Hydrogeologe Dr. Christian Schmidt sagt dazu treffend:

Wenn es in Zukunft gelingt, den Plastikeintrag aus den Einzugsgebieten dieser Flüsse zu halbieren, wäre schon sehr viel erreicht. Dafür muss das Abfallmanagement verbessert und das Bewusstsein der Bevölkerung sensibilisiert werden.

In Europa wird bereits sehr viel recycelt. Anreize einen noch höheren Anteil an Kunststoffen zu recyclen sind sicherlich richtig. Politiker sollten sich dafür einsetzen, dass Abfall fachgerecht entsorgt wird. Bürger, die Abfall einfach in die Landschaft, auf die Straße, oder in den Fluss schmeißen, sollten stärker sanktioniert werden.

Aber warum alle Nutzer von Plastikprodukten kollektiv bestrafen, nur weil einige Wenige unsere Umwelt sorglos verschmutzen? Plastik selbst ist nicht das Problem, sondern der Mangel an richtiger Entsorgung. Sollten wir also den kleinen Beitrag Europas an der globalen Verschmutzung noch weiter verringern wollen, wäre die konsequentere Sanktionierung von verschmutzendem Verhalten das beste Instrument dafür.

Der große Hebel, um die Umweltverschmutzung insgesamt signifikant zu reduzieren, liegt jedoch in der Implementierung von besseren Umweltstandards und Eigentumsrechten in Entwicklungsländern. Die EU könnte dafür die Erteilung von Entwicklungshilfe und anderen diplomatische Vorteilen daran binden, dass die betroffenen Länder Umweltstandards einhalten und bestimmte Meilensteine in der Reduzierung von Plastikverschmutzung erreichen. Dies würde Meerestiere wie Schildkröten und ihre Ökosysteme deutlich besser schützen, als das Verbieten von Luftballons auf Kindergeburtstagen und von Einweggeschirr auf spontanen Grillfeiern.

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