Im Januar 2018 traf ich die Entscheidung, mich bei der Akademie der Freiheit der Hayek-Gesellschaft zu bewerben. Zu der Zeit lernte ich gerade für mein Schülerstudium der Volkswirtschaftslehre und ärgerte mich über die Mathematisierung der Ökonomie. In meinem Lehrbuch hieß es, dass der zukünftige Konjunkturverlauf durch Formeln errechnet und der ‚Homo Oeconomicus‘ hierbei das Maß aller Dinge sei. Damit wollte ich mich nicht zufrieden geben. Im täglichen Leben konnte ich das irrationale Verhalten von Konsumenten beobachten und bei einem Besuch eines Rotary Clubs fiel mir auf, dass Geschäfte durch persönliche Präferenzen oder Sympathien zwischen den Geschäftspartnern zustande kommen – und nicht unbedingt durch das beste Angebot. Wie kann es sein, dass der Kern der Wirtschaft, das menschliche Handeln, so wenig von der Lehrbuch-Ökonomie beachtet wird?

Eine Antwort auf diese Frage erhielt ich ein halbes Jahr später während eines Vortrags von Prof. Hendrik Hagedorn über die Österreichische Krisentheorie. Es war einer der ersten Vorträge über Volkswirtschaftslehre bei der Akademie der Freiheit und faszinierte mich ab der ersten Minute. Nicht komplexe Formeln, sondern logisches Denken steht im Zentrum der Ökonomie vieler Vertreter der Österreichischen Schule. Professor Hagedorn identifizierte die Geldmengenausweitung der Zentralbanken und die Geldschöpfung der Geschäftsbanken als eigentliche Auslöser von Wirtschaftskrisen. Noch bevor das neu geschaffene Geld das Preisniveau beeinflusst, können Wirtschaftsteilnehmer das frische Geld nutzen um Investitionen zu tätigen. Somit verschafft die Geldmengenausweitung dem Marktteilnehmer, der das aus dem Nichts geschaffene Geld als erster erhält, einen enormen Wettbewerbsvorteil. Davon profitieren insbesondere große Unternehmen mit starken Kapitaldecken, die ausreichende Sicherheiten für kurzzeitige Kreditaufnahmen vorhalten können.

Dadurch wird die Nachfragesituation manipuliert, was zu Verschiebungen von Industrien und Produktionsfaktoren führt. Dieses Phänomen zeigte sich insbesondere in der spanischen Immobilienkrise von 2010, als knapp 25% der spanischen Arbeitnehmer in der Immobilien- und Baubranche tätig waren. Die Immobilienblase wurde durch die Geldmengenausweitung westlicher Zentralbanken in den Jahren vor 2008 beflügelt und fand ein Ende in der weltweiten Subprime-Krise. Durch die vorausgegangene Verschiebung von Industrien zugunsten des Immobiliensektors erlebte Spanien eine Arbeitslosenrate von 26,2% im Jahr 2013, nach Eintreten der Korrektur.

Dies ist der eigentliche Grund für die auseinanderklaffende „Schere zwischen Arm und Reich“. Nicht der derzeitig angeblich freie Markt, sondern die interventionistischen Subventionen der Zentralbanken zugunsten großer Marktteilnehmer sind die Ursache für dieses zeitgenössische Phänomen. Zudem besagt der Cantillon-Effekt, dass durch die Maßnahmen der Zentralbanken enorme Einkommensmöglichkeiten für Berufsgruppen wie Rechtsanwälte und M&A-Berater entstehen, die von den neuen, durch die Geldmengenausweitungen ermöglichten Kapitalmarkttransaktionen profitieren. Dieser Vortrag öffnete mir die Augen und machte mir die Mechanismen aktueller Entwicklungen deutlich. Mein Fazit: Wer die Gelegenheit hat, den Vorträgen auf der Akademie der Freiheit zu lauschen, der bekommt das Rüstzeug, die Welt zu verstehen.

 

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