Am 9. November ist es 30 Jahre her, dass mit dem Fall der Mauer das Ende der DDR eingeleitet wurde. Neben den ökonomischen Problemen und den einsetzenden Reformen von Gorbatschow aus Moskau, hatte auch die Friedliche Revolution  maßgeblichen Anteil am Zusammenbruch des DDR-Regimes. Jene mutigen Bürger, die gegen das Regime rebellierten, waren auch maßgeblich am Ende der Stasi beteiligt. Die Stasi, wie das Ministerium für Staatssicherheit umgangssprachlich genannt wird, war der Geheimdienstapparat der DDR und laut dem Historiker Jens Gieseke der größte staatliche Geheimdienstapparat der Welt. Im Februar 1950 als Ministerium gegründet, war sie zu Beginn eine Gruppierung, die hauptsächlich gegen ehemalige Nazis und politische Gegner innerhalb der SED vorging, entsprechend dem damaligen stalinistischen Geist.

Der Volksaufstand in der DDR 1953 war die erste größere Bewährungsprobe, die der Geheimdienst nur mit Blessuren überstand.  Das Politbüro der SED war ziemlich unzufrieden mit der Leistung und das Ministerium für Staatssicherheit wurde für kurze Zeit zum Sekretariat zurückgestuft und dem Innenministerium unterstellt. Ein paar Jahre später, kurz nach dem Tod Stalins und der einsetzenden Entstalinisierung, kam es zu Machtkämpfen innerhalb des, mittlerweile wieder zum Ministerium hochgestuften, Apparats. An deren Ende 1957 wurde der bisherige Stellvertreter Erich Mielke zum Minister ernannt. Diesen Posten sollte er bis zum 7. November 1989 behalten. Er wurde zur Verkörperung der Stasi und baute diese Schritt für Schritt zu einer mächtigen Organisation aus, die in sämtliche Schichten der ostdeutschen Gesellschaft drängte –  und darüber hinaus Zu Beginn im Jahre 1950 betrug die Zahl der offiziellen Mitarbeiter noch ca. 10.000, im Oktober 1989 waren es an die stolze 91.000. Dies bedeutete, dass auf 180 DDR Bürger ein hauptamtlicher Mitarbeiter kam. Diese waren hauptsächlich Angehörige des Militärs. Das besondere an der Stasi aber waren die zahlreichen inoffiziellen Mitarbeiter (IMs). Dies waren Zivilisten, die speziell für die Stasi angeworben wurden. Deren Zahl schwankte, je nach Bedarf. In der Hochzeit, Mitte der 70er, waren es über 200.000. Diese bespitzelten ihre Mitbürger, legten Akten über verdächtige Personen an und waren somit essentiell für die Arbeit der Stasi. Die Stasi überwachte Organisationen, Personengruppen und einzelne Bürger. Sollte einer als Oppositioneller oder Feind der SED in den Blick der Stasi geraten sein, konnte es für denjenigen, je nach Schwere, ziemlich ungemütlich werden. Die Maßnahmen reichten von Zensur, Einschränkung der Meinungsfreiheit, Benachteiligungen im täglichen Leben über Verhaftungen, soziale Isolierung bis hin zur Ausbürgerung oder einer Unterbringung in einem der berüchtigten Foltergefängnisse, wie beispielsweise in Berlin-Hohenschönhausen. Auch die Aufklärung der Tathergänge bei Mauertoten fiel in den Bereich der Stasi. Hier wurden die genauen Umstände gegenüber der Öffentlichkeit und den Angehörigen verschleiert und Grenzsoldaten zu Helden stilisiert.

Wie mächtig die Stasi wirklich war, wurde erst vor ein paar Jahren deutlich, als die Auslandstätigkeiten, wie beispielsweise die in der Bundesrepublik, aufgedeckt wurden. So war der Polizist Karl-Heinz Kurras, der in den Unruhen des Aufstands zum Schah Besuch 1967 Benno Ohnesorg erschossen hatte, ein Mitarbeiter der Stasi. 1972 verhinderte die Stasi, dass Rainer Barzel durch ein Misstrauensvotum, gegen den damaligen amtierenden Bundeskanzler Willy Brandt, zum Bundeskanzler gewählt wurde, indem sie zwei Abgeordnete der CDU bestach.

Ende der 80er drehte sich jedoch der Wind. Mittlerweile sprach der Präsident der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, von Perestroika und Glasnost und leitete Reformen ein. In der DDR fanden 1989 regelmäßige Massendemonstrationen statt, ausgehend von der Opposition  des SED-Regimes. Im November kam es zu Umwälzungen und die Regierung Honecker wurde abgelöst. Hans Modrow wurde Vorsitzender des Ministerrat und somit Regierungschef der DDR. Im Zuge dessen trat das Gesicht der Stasi, Erich Mielke, am 8. November von seinem Amt zurück . Es war noch nicht klar, wie es mit DDR weitergehen sollte. Klar war nur, dass sich etwas ändern musste, aufgrund des Drucks der Straße. Die Auflösung der Stasi war eine der wichtigsten Forderungen der Protestler, der sogenannten Friedlichen  Revolution. Modrow  reagierte darauf mit dem Vorhaben, die Stasi in das Amt für nationale Sicherheit (AfNS) umwandeln zu wollen. Der Geheimdienst sollte personell verkleinert werden und keinerlei polizeiliche Befugnisse mehr haben. Es kam der Befehl, sämtliche Dienststellen der Stasi aufzulösen. Während der Umwandlung wurde bereits damit begonnen, Unterlagen der Stasi zu vernichten , um die Spuren ihrer Tätigkeiten zu verwischen. Anfang Dezember stürmten mutige Bürger Dienststellen der Stasi, um die Auflösung persönlich zu überwachen. Durch Druck der Proteste wurde im Dezember beschlossen, das geplante AfNS ebenfalls aufzulösen. Am 15. Januar 1990 wurde schließlich die Stasizentrale in der Normannenstraße in Berlin besetzt. So konnten viele Stasiakten vor der Vernichtung bewahrt werden. Nach der Wiedervereinigung, am 3. Oktober 1990 wurde die Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BstU) gegründet. Der erste Bundesbeauftragte wurde der spätere Bundespräsident Joachim Gauck. Bisher waren alle drei Bundesbeauftragten führende Mitglieder der Bürgerrechtsbewegung in der DDR, was auch starke Symbolkraft ausstrahlt. Heute befindet sich in der ehemaligen Stasizentrale ein Museum und das Archiv der Stasiunterlagen, in dem Betroffene und Interessierte Einblick in die Stasiakten nehmen können.  Dies ist ein wichtiger Ort der Aufarbeitung der Verbrechen des DDR-Regimes. Viele inoffizielle Mitarbeiter konnten so enttarnt werden.Heute stellt der Gebäudekomplex ein wichtiges Symbol dar. Zum einen für die Verbrechen eines Staatsapparats, zum anderen aber auch für die Friedliche Revolution und den mutigen Protest.

Nur durch den couragierten Einsatz einiger mutiger Bürger der DDR, die die Dienststellen der Stasi stürmten und besetzten, konnte sichergestellt werden, dass viele Akten erhalten blieben und die Aufarbeitung und Aufklärung der Verbrechen dieser Zeit möglich wurde . Mittlerweile hat der Bundestag beschlossen die Stasiunterlagen 2021 ins Bundesarchiv zu überführen. Die Akten sollen dennoch weiterhin einsehbar bleiben.

 

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