Regierungen auf der ganzen Welt ergreifen verschiedene Maßnahmen, um die Pandemie zu bekämpfen und die Sicherheit ihrer Bürger zu gewährleisten. Doch welche Auswirkungen haben diese umstrittenen Maßnahmen auf unsere individuelle Freiheit? Wie sollten sich Liberale in diesen harten Zeiten verhalten? Dr. Tom G. Palmer, Executive Vice President for International Programs beim Atlas Network und Senior Fellow am Cato Institute, erörterte die Folgen der Pandemie in einem Interview mit dem Vorsitzenden der Students For Liberty Deutschland, Adam Mazik.

Während der andauernden Corona-Krise haben sowohl die Linke als auch die Rechte den Globalismus verteufelt und den Kapitalismus als gescheitertes System abgestempelt. Für Dr. Palmer ist dies lediglich eine ideologische Übertreibung, bei der Akteure auf beiden Seiten versuchen, ihre herkömmlichen Überzeugungen zu rechtfertigen. Pandemien waren früher regelmäßige Ereignisse in der Geschichte der Menschheit, aber je wohlhabender wir geworden sind, je freier unsere Volkswirtschaften sind und je mehr sie dank schwindender Reise- und Handelsbarrieren verflochten sind, desto seltener sind Pandemien zu einer Frage des menschlichen Überlebens geworden.

Dr. Palmer erklärt, dass viele der Schwierigkeiten, denen sich die USA derzeit gegenübersehen, auf eine schlechte öffentliche Gesundheitspolitik und inkompetentes Regierungsmanagement zurückzuführen sind, und nicht auf Marktversagen; im Gegensatz zu Deutschland oder Südkorea wurde es dem privaten Sektor in den USA bewusst verboten, Tests für Covid-19 zu entwickeln, die FDA und die CDC haben ein Staatsmonopol geschaffen, das der Nachfrage nicht gewachsen war. Die von der Regierung auferlegten Hindernisse für private Produktanbieter und private Laboratorien haben die Innovation nur verlangsamt, ganz zu schweigen davon, dass ganze vier Regierungsbehörden Atemschutzgeräte regulieren und damit einen bürokratischen Alptraum für private Anbieter geschaffen haben.

Aber für Dr. Palmer waren nicht alle von der Regierung getroffenen Entscheidungen kontraproduktiv. Außergewöhnliche Zeiten können aussergewöhnliche Massnahmen erfordern. Es ist jedoch von wesentlicher Bedeutung, dass diese Maßnahmen weiterhin rechtsstaatlich sind. Dr. Palmer stellt fest, dass die Quarantäne in diesen Zeiten keine „Nanny-State”-Gängelung ist, da es nicht darum geht, die einzelnen vor sich selbst zu schützen, sondern vielmehr darum, gefährdete Personen zu schützen und zu verhindern, dass Menschen zu Überträgern der ansteckenden Krankheit werden. Diese Entscheidungen bergen selbst gewisse Risiken in sich, da wir nicht sicher sein können, dass die Regierung all diese Maßnahmen aufhebt, sobald die Pandemie vorüber ist. Während Populisten in allen Ländern die Angst der Menschen anfachen, um mehr Macht zu erlangen (z.B. Orban in Ungarn), ist es unsere Pflicht als Liberale, wachsam zu sein und in unserer Zivilgesellschaft aktiver zu werden. Die Liberalen sollten diejenigen sein, die konstruktive Lösungen für die Debatte anbieten, diejenigen, die die wachsenden Formen des Kollektivismus zurückdrängen. Dr. Palmer appelliert an die jüngeren Generationen, die Führung zu übernehmen und zu zeigen, dass die Zivilgesellschaft ohne Einmischung der Regierung für die Schwächeren und Bedürftigeren sorgen kann. 

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