Weltweit werden täglich über zwei Milliarden Tassen Kaffee getrunken und über 125 Millionen Menschen in der Kaffeeindustrie beschäftigt. All diese wirtschaftlichen Aktivitäten finden ohne die Anweisung eines Lenkers statt.

A.J. Jacobs will, dass Du verstehst, dass unsere morgendliche Tasse Kaffee ein Wunder der menschlichen Zusammenarbeit ist. Jacobs schreibt in seinem Buch Thanks A Thousand: A Gratitude Journey: „Dieses Wunder, das vor uns steht, ist das Ergebnis von Tausenden von Menschen, die in Dutzenden von Ländern zusammenarbeiten.“ Jacobs fährt fort:

„Es erforderte die gemeinsame Arbeit von Künstlern, Chemikern, Politikern, Ingenieuren, Biologen, Bergleuten, Verpackern, Schmugglern und Ziegenhirten. Es benötigte Flugzeuge, Boote, Lastwagen, Motorräder, Lieferwagen, Paletten und starke Schultern. Es wurden Hunderte von Materialien gebraucht: Stahl, Holz, Stickstoff, Gummi, Silikon, UV-Licht, Sprengstoff und Fledermaus-Guano.“

Weltweit werden täglich über zwei Milliarden Tassen Kaffee getrunken und über 125 Millionen in der Kaffeeindustrie beschäftigt. All diese wirtschaftlichen Aktivitäten finden ohne die Anweisung eines Lenkers statt.

Dankbarkeit für das, was wir nicht allein schaffen können

Jacobs erkennt, dass es in seinem Leben an Dankbarkeit fehlte. Dieser Mangel, so stellt er fest, „versetzt ihn oft in eine miserable Stimmung“:

„Ich werde Hundert Dinge vergessen, die jeden Tag richtig gut laufen, und mich auf die drei oder vier konzentrieren, die schief gehen. Ich gehe davon aus, dass ich in normalerweised mehr als 50 Prozent meines Tages leicht bis stark verärgert bin.“

Als Jacobs feststellte, dass seine negative Einstellung „eine lächerliche Art ist, durchs Leben zu gehen“, beschloss er, sich bei mindestens 1.000 Personen zu bedanken, die an der Herstellung seiner morgendlichen Tasse Kaffee beteiligt waren – vom Barista, der ihn bedient, bis zum Bauern, der in Kolumbien die Bohnen anbaut.

Jacobs interviewte die, denen er danken wollte. In diesen Gesprächen waren sie nicht mehr nur unsichtbare Objekte, die hier auf der Erde sind, um seine Bedürfnisse zu befriedigen. Er erfuhr, dass die Bedienung in seinem örtlichen Café Mühe hatte, während ihrer Schicht auf den Beinen zu bleiben. Ihren Fuss hatte sie sich bei einem Unfall gebrochen.

Beim Besuch eines Stahlwerks erfuhr er, wie schwierig und gefährlich Arbeiten dort sind: „Oft riecht es im Werk nach Schwefel, einem Geruch, der in die Haare und die Kleidung der Stahlarbeiter eindringt und aus ihren Poren dunstet, wenn sie schwitzen.“

Spezialisiertes Wissen

Nach einem Gespräch mit Ed, dem Kaffeeeinkäufer in seinem lokalen Café, schrieb Jacobs: „Ich kann die Feinheiten nicht vollständig beurteilen, aber in gewisser Hinsicht weiß ich, dass mir Eds Expertise bei der Auswahl der besten Bohnen zugutekommt. Die Tatsache, dass Ed so gründlich über meinen Kaffee nachdenkt, ist einer der Gründe, warum ich nicht darüber nachdenken muss. Es ist ein wichtiger Grund, warum Dankbarkeit so schwer aufrechtzuerhalten ist und warum es so viel Aufwand erfordert: Wenn uns etwas Gutes getan wird, ist der Prozess dahinter weitgehend unsichtbar.“

Hast Du Dich jemals gefragt, wie Kaffee geröstet wird? Werden die Bohnen in die Maschine geschmissen und jemand nimmt sie heraus, wenn der Timer abläuft? Wohl kaum, so Jacobs: „Du drehst den Röster nicht einfach auf 350 Grad und machst ein Kreuzworträtsel“, erklärt der Kaffeeröster. Jede Minute des zwölfminütigen Röstvorgangs muss eine andere Temperatur herrschen, um den perfekten Kaffee zu erhalten. Es braucht jemanden, der die Maschine einstellt und sie Sekunde um Sekunde überwacht.

Indem Jacobs das Unsichtbare sichtbar macht, lehrt er uns, warum es uns an Dankbarkeit mangelt. Da unsere Erwartungen meistens erfüllt werden, schätzen wir das Wunder der menschlichen Zusammenarbeit nicht mehr.

Die Vorteile von Dankbarkeit

Dankbarkeit und die Liebe zum Lernen sind die Charakterzüge, die unser emotionales Wohlbefinden am positivsten beeinflussen. Eine Studie, die im Scientific American veröffentlicht wurde, fand heraus, dass Dankbarkeit ein besserer Indikator für das Wohlbefinden ist als 24 andere Attribute, darunter Demut, Hoffnung, Liebe, Vergebung, Ehrlichkeit und Freundlichkeit.

Robert Emmons ist einer der weltweit führenden Dankbarkeitsforscher. Er schreibt in seinem Buch Das kleine Buch der Dankbarkeit„Dankbares Leben ist nur möglich, wenn wir erkennen, dass andere Menschen und Akteure Dinge für uns tun, die wir nicht selbst für uns tun können. Dankbarkeit entsteht aus zwei Stufen der Informationsverarbeitung: Bestätigung und Anerkennung. Wir bekräftigen das Gute und schreiben es anderen zu. Aus Dankbarkeit erkennen wir, dass die Quelle guter Dinge außerhalb von uns selbst liegt.“

Wenn Du darauf wartest, dass Deine Sterne in der richtigen Konstellation stehen, bevor Du mehr Dankbarkeit verspüren kannst, hast Du Ursache und Wirkung vertauscht. Jacobs zitiert den Benediktinermönch David Steindl-Rast, der sagt: „Glück führt nicht zu Dankbarkeit. Dankbarkeit führt zu Glück.“

Jacobs sprach mit Scott Barry Kaufman, Psychologe an der Columbia University, der Jacobs Folgendes erklärte: „Dankbarkeit kann unsere Wahrnehmung der Zeit verändern und verlangsamen. Zumindest für einen Moment können sich die kleinen Unannehmlichkeiten unseres Lebens auflösen.“

Einige, wie Barbara Ehrenreich, die für die New York Times schreibt, glauben, Dankbarkeit hindere die Menschen daran „Solidarität“ mit weniger Glücklichen zu empfinden. Dankbare Menschen können „Trottel“ sein, schreibt Ehrenreich, indem sie reichen Unternehmer dankbar sind.

Akademische Untersuchungen aber zeigen, dass Ehrenreich absolut falsch liegt. Kaufman sagt „Untersuchungen zeigen, dass Menschen großzügiger und pro-sozialer sind, wenn sie sich dankbar fühlen.“

Den Kapitalismusgegnern da draußen sei also gesagt: wenn Menschen Unternehmer wertschätzen, die ihr Leben bereichern, steigert das die Großzügigkeit, statt sie zu schmälern.

Der Deckel und die Becherhülle

Da ich keinen Kaffee trinke, hätte ich mir nicht vorstellen können, wie wichtig der Deckel eines Bechers Coffee-to-go ist. Jacobs schreibt: „Wenn ich den Namen auf dem Deckel („Viora“) google, stelle ich fest, dass ich meinen Kaffee durch einen Premium-Deckel trinke. Viora ist ein kleiner Newcomer, wurde aber in technischen Publikationen wie Wired und Gizmodo beschrieben. Es ist eine Art Tesla der Deckelwelt.“

Viora-Deckel sind hochwertiger, da sie die Erfahrung des Trinkens aus einer Keramiktasse nachahmen. Coffeeshops sind auf der Suche nach hochwertigen Deckeln, da dies das Kundenerlebnis verbessert. Jacobs lernte, „wie bei fast allem, was ich für selbstverständlich halte, haben die Menschen eine erstaunliche Menge an Gedanken und Sorgfalt in die Schaffung dieses unscheinbaren Stücks Plastik gesteckt.“

Der Erfinder des Viora-Deckels erklärte Jacobs seine unternehmerischen Schwierigkeiten: „Niemand wollte das seltsam geformte Loch herstellen. Alle sagten mir, dass dies nicht möglich sei.“

Unternehmer wie die von Viora setzen sich weiterhin dafür ein, die Bedürfnisse ihrer Verbraucher zu befriedigen. Indem Jacobs etwas über Deckel lernte, begann er, „all die anderen kleinen, versteckten Meisterwerke des Industriedesigns in meinem Leben“ zu schätzen.“

Wie beispielsweise die Becherhülle, die verhindert, dass Du Dir die Hand verbrennst. Die Becherhülle ist eher eine Neuheit in unserem Kaffeeerlebnis. Die erste Hülle, die Java Jacket, kam 1992 auf den Markt. Jacobs begann über die Komplexität der „einfachen“ Hülle nachzudenken: „Wenn ich über die schiere Anzahl der beteiligten Empfänger meiner Dankbarkeit nachdenke, wird mir schwindelig. Die Leute in der Papierfabrik, in der der Karton hergestellt wird. Die Holzfäller, die die Bäume fällen, damit aus dem Zellstoff der Karton wird. Die Metallarbeiter, die die Kettensägen herstellen, die von den Holzfällern benutzt wird. Die Bergleute, die das Eisen fördern, das für die Kettensägen in Stahl verwandelt wird.“

Klingt sehr nach „I, Pencil“

Wenn Du glaubst, Jacobs‘ Buch ähnelt einer erweiterten Version von „I, Pencil„, hast Du recht. Als er circa die Hälfte seines Buches geschrieben hatte, schickte ein Freund Jacobs ein Exemplar von Leonard Reads „I, Pencil“. Jacobs bemerkte: „Als ich anfing, den Aufsatz zu lesen, war ich besorgt darüber, wie ähnlich er meinem Kaffeeprojekt war – abgesehen von der Dankbarkeit und des Koffeins.“

Jacobs hat Leonard Read anscheinend nicht allzu sorgfältig gelesen. Ihm entging die Dankbarkeit, die nicht nur „I, Pencil“, sondern das gesamte Schreiben von Read durchdrungen hatte. Zu Beginn von „I, Pencil“ gibt Read dem Bleistift eine Stimme: „Leider bin ich für diejenigen, die mich benutzen, selbstverständlich, als wäre ich ein bloßer Zufall und ohne Hintergrundgeschichte.“

Aus der Sicht des Bleistifts weist Read den Leser auf Mächte hin, die größer sind, als unser Verstand es erfassen kann: Die Wunder der spontanen menschlichen Zusammenarbeit, die unser modernes Leben ermöglichen.

So kommt Jacobs auch zu einem Schluss, der sich stark von Read unterscheidet: „Ich hatte die gegenteilige Reaktion. Ich fand heraus, dass die Herkunft eines Bleistifts oder einer Tasse Kaffee zeigt, dass wir gerade kluge, visionäre Politiker brauchen, um uns zu helfen.“

Die Dankbarkeitsreise, die Jacobs beschreibt, zeigt immer wieder, dass Unternehmen bestrebt sind, Gewinne zu erzielen, aber auch im Interesse des Verbrauchers handeln. Jacobs übersieht die eigentliche Lektion seiner Reise und schreibt: „Ich bin für ein langfristiges Denken, um das Verlangen der Aktionäre nach sofortigen Gewinnen auszugleichen.“

Das Vertrauen in die Visionäre der Regierung scheint Jacobs mehr eine Verpflichtung zu sein, als dass er sie tief durchdacht hätte. Ich würde Jacobs erklären, warum es keine Visionäre in der Regierung gibt, die uns durch ihre Brillanz in die Zukunft führen. Ich würde auch erklären, warum die von der Politik verfolgten guten Absichten keine Rolle spielen und dem Fortschnitt nur im Weg stehen können.

Read verwendet diesen Satz zweimal in „I, Pencil“: „Wenn Sie sich der Wunder bewusst werden, die ich symbolisiere, können Sie dazu beitragen, die Freiheit zu retten, die die Menschheit so unglücklicherweise verliert.“ Jacobs sollte vielleicht sein eigenes Buch noch einmal lesen. Ich vermute, dass Jacobs Buch dem Leser einen tieferen Glauben an das vermitteln könnte, was freie Menschen erreichen können. Read schreibt:

„Denn wenn man sich bewusst ist, dass dieses Know-how sich natürlich, quasi automatisch, in kreative und produktive Muster einordnet, um auf die menschlichen Bedürfnisse und deren Nachfrage zu reagieren – das heißt, ohne behördliche oder sonstige erzwungene Planung – dann besitzt man eine absolut wesentliche Zutat für die Freiheit: Einen Glauben an freie Menschen. Freiheit ist ohne diesen Glauben unmöglich.“

Im Endeffekt ist es egal, dass Jacobs der Meinung ist, er müsse der Regierung eine Hommage erbringen. Thanks a Thousand: A Gratitude Journey ist eine wunderbare Fallstudie darüber, wie freie Menschen ohne Anleitung zusammenarbeiten, um das Leben von uns allen zu verbessern.

 

Aus dem Englischen übersetzt von Felix Hosse. Dieser Artikel erschien zuerst bei FEE.org.

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