Dieser Artikel ist eine angepasste Version von Anmerkungen vom Climate and Freedom Colloquium 2019, das am 12. Dezember in Madrid von Fundalib, Reason Foundation und dem Clean Capitalist Leadership Council organisiert wurde.

Kein anderes politisches Thema hat 2019 eine so große Rolle gespielt wie der Klimawandel und der Umweltschutz im Allgemeinen. Mit einer „Grünen Welle“ von Umweltschutzparteien, die in vielen Teilen Europas an Dampf gewonnen haben, eine auf einem Boot durch die Welt reisende Greta Thunberg und Fridays for Future – und, in extremeren Formen des zivilen Ungehorsams, Extinction Rebellion-Protesten. Sie alle haben sehr viel Aufmerksamkeit erfahren. Es scheint, der Kampf gegen die globale Erwärmung ist ein Thema, das uns noch (viel) länger begleiten wird.

Gerade deshalb ist es besorgniserregend, dass der Umweltschutz ein Thema für Linke geblieben ist. Zu oft, vor allem in der Vergangenheit, aber auch heute noch, haben sich Verfechter des freien Marktes mit Ignoranz, Ablehnung unserer aller Verantwortung gegenüber der Umwelt oder auch Leugnung der globalen Erwärmung begnügt. Oder schlicht mit Beleidigungen der politischen Gegner – wie man an den ständigen persönlichen Angriffen gegen Greta Thunberg sehen kann. Aber auch Liberale sollten erkennen, dass diese Welt und die vielen Wunder der Natur es wert sind, geschützt zu werden.

In den letzten Jahren hat sich vieles zum Glück bereits geändert. Der frühere Präsident des Property and Environment Research Centers (PERC), Terry Anderson, wurde noch vor einigen Jahrzehnten verspottet, als er zum „freimarktwirtschaftlichen Umweltschutz“ aufrief. Das sei ein Oxymoron, denn der Markt und der Naturschutz könnten natürlich nicht Hand in Hand gehen, argumentierten seine vielen Kritiker. Heutzutage erkennen viele Menschen, welche wichtige Rolle Märkte – oder zumindest Marktmechanismen – beim Schutz der Umwelt spielen können. In den letzten Monaten und Jahren sind neue Organisationen entstanden, die sich ganz diesen Ideen verschrieben haben, wie die American Conservation Coalition, das Clean Capitalist Leadership Council und die British Conservation Alliance.

Angesichts des entscheidenden UN-Klimagipfels in Glasgow im Jahr 2020 und der Zukunft des Umweltschutzes auf dem freien Markt im Allgemeinen müssen sich die Befürworter des freien Marktes noch mehr ins Zeug legen. Als Erstes muss die pauschale Leugnung der globalen Erwärmung als Argument gegen den Umweltschutz aufhören. Selbst diejenigen, die – warum auch immer – dem weitgehend vorhandenen wissenschaftlichen Konsens skeptisch gegenüberstehen, müssen erkennen, dass der Schutz der Schönheit der Erde eine wesentliche Aufgabe für uns alle ist. Dies verkennt nicht, wie falsch die Lösungen der Linken sind, sondern anerkennt genau das und dass Alternativen dringend benötigt werden. Wir müssen uns aktiv und höflich mit den Sorgen der Menschen auseinandersetzen und dürfen sie nicht einfach beleidigen. Ein respektvoller Diskurs ist immer wichtig. Bei Umweltfragen ist es nicht anders.

Darüber hinaus brauchen wir praktische Lösungen für Umweltprobleme, keine ideologischen Utopien. Zu oft haben sich Freimarktler in umweltpolitischen Diskussionen damit zufriedengegeben, einfach die Privatisierung von allem zu fordern – zum Beispiel die Privatisierung von Luft und Ozeanen oder alles mögliche andere. Dies sind interessante Gedankenexperimente, und manchmal liegen wichtige Wahrheiten in diesen Forderungen – zum Beispiel, dass Umweltschutz nur auf der Grundlage privater Eigentumsrechte funktionieren kann – aber zum Großteil sind diese Forderungen zumindest bisher einfach nicht realisierbar und tragen daher wenig zur Diskussion bei. Wir brauchen echte Lösungen für die echten Probleme von heute. Wie motivieren wir Unternehmer zur Innovation im Umweltschutz? Wie verhindern wir Waldbrände? Wie können wir Nationalparks und Outdoor-Aktivitäten mit privateren Elementen verbessern? Was ist vorzuziehen: Clean Tax Cuts, also Steuersenkungen im Umweltbereich, oder eine CO2-Steuer oder das Spielen von Märkten durch Emissionshandelssystemen – oder eine Kombination aus diesen? Oft haben wir lediglich an der Oberfläche dieser Fragen gekratzt.

Wir alle müssen zu Hause, auf nationaler, staatlicher, kommunaler oder sogar lokaler Ebene über mögliche Lösungen zur Verbesserung der Umwelt nachdenken. Wir neigen dazu, Umweltschutz als Problem anzusehen, das nur global gelöst werden kann – aber insbesondere, wenn wir über die globale Erwärmung hinausgehen, ist es oft am besten, Umweltschutz in einem lokaleren Umfeld zu betreiben, wie es Elinor Ostrom gezeigt hat. Wie in den meisten anderen Bereichen kann Dezentralisierung ebenso für die Natur ein großer Segen sein. Denn die Menschen vor Ort können Wege finden, um mit Ressourcen und der Natur schonend umzugehen, anstatt es den Technokraten zu überlassen, die es von einer weit entfernten Hauptstadt aus vermasseln.

Was die globale Erwärmung betrifft, ist dies natürlich ein globales Problem – der Name sagt es bereits. Aber auch hier stehen private und marktfreundliche Lösungen zur Verfügung, zum Beispiel durch Freihandelsabkommen für Umweltgüter und -dienstleistungen. Um mehr Lösungen zu erarbeiten und diese im Bereich der globalen Politik zu fördern, ist die Zusammenarbeit zwischen Befürwortern des freien Marktes aus der ganzen Welt unerlässlich. Dankenswerterweise hat auch diese Kooperation an Fahrt gewonnen. Zum Beispiel organisierte das in Brüssel ansässige Netzwerk EPICENTER im Dezember ein Seminar in Paris, bei dem sich etwa 15 marktfreundliche Think Tanker trafen, um über Umweltschutz zu diskutieren. Nur wenige Tage später fand in Madrid das erste Climate and Freedom Colloquium im Lichte des UN-Klimagipfels statt, bei dem Verfechter der Marktwirtschaft aus der ganzen Welt zusammenkamen (die Worte, die Sie im Moment lesen, wurden für diese Veranstaltung vorbereitet). Und in einem Moment von unverschämter Eigenwerbung arbeitet das Austrian Economics Center derzeit mit der British Conservation Alliance und etwa 15 weiteren der bekanntesten marktwirtschaftlichen Organisationen aus den USA, Großbritannien, Brüssel und Kontinentaleuropa an einem Buch zum marktwirtschaftlichen Umweltschutz, das Anfang nächsten Jahres veröffentlicht werden soll (unter anderem auch auf Deutsch). Die Begeisterung, die wir für dieses Projekt erhalten haben, ist ein weiterer Beweis dafür, dass Umweltschutz eine Gelegenheit ist, über nutzlose (interne) Querelen und Konflikte hinauszugehen und stattdessen zusammenzuarbeiten, um eine dringend benötigte Alternative zum Status Quo des Umweltschutzes zu fördern.

So ist endlich eine Diskussion über Umweltschutz und globale Erwärmung von Seiten der Befürworter der Marktwirtschaft im Gange. Das können nur gute Nachrichten sein. Umweltschutz ist heute wichtiger denn je. Der ist aber nicht mit Märkten und Eigentumsrechten im Konflikt. Die beiden passen tatsächlich perfekt zusammen. Lasst uns also an einer Vision für den Schutz der Umwelt arbeiten, die sich dem apokalyptischen Tenor von heute entzieht und durch die freiwillige Zusammenarbeit zwischen Menschen und Gemeinschaften sowie durch Unternehmertum, Innovation und Philanthropie eine optimistische Zukunft zeigt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch beim Austrian Economics Center.

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