Bereits zum zweiten Mal in Folge fand am 24. November die jährliche Regionalkonferenz der Students For Liberty Deutschland in Jena statt. An der Friedrich-Schiller Universität hatten liberale Studenten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die Möglichkeit zu erfahren, warum Kapitalismus die Lösung ist und nicht das Problem, wie Patente liberal begründet werden können, warum die Redefreiheit extrem wichtig ist und weit ausgelegt werden sollte, und sich über viele andere interessante Themen zu informieren und zu unterhalten.

Die Konferenz begann mit dem Jenaer Professor Dr. Michael Dreyer, der einen Vortrag zu “Die Freiheit bei Schiller – unser Erbe?” hielt. Anschließend wurden die Teilnehmer von dem Oberbürgermeister Jenas begrüßt: Dr. Thomas Nitzsche betonte die Wichtigkeit der Diskussion und lobte die SFL für ihre Bereitschaft miteinander und mit anderen Organisationen zu reden und zivilisiert über wichtige Themen zu diskutieren.

Es folgte eine Podiumsdiskussion bei welcher der Psychologe und Politikwissenschaftler Prof. Dr. Erich Weede, der digitale Unternehmer Hermann Leithold und Dr. Ralf-Uwe Bauer, u.a. Vorsitzender des Verbandes Innovativer Unternehmen e.V., sich über das Thema “Ohne Freiheit weder Innovation und Wohlstand?” unterhielten. Durch die verschiedenen beruflichen Hintergründe der Diskutanten bekamen die Zuhörer unterschiedliche Perspektiven geboten.

Während die Teilnehmer den Vortrag „Patente. Wie funktionieren sie und wie sind sie libertarisch zu rechtfertigen?” von Dr. Rudolf King anhören durften, stellten mehrere junge Wissenschaftler aus ganz Deutschland ihre Arbeit vor. Sheila Rietscher erzählte den Zuhörern von ihrem persönlichen Weg, die Freiheit zu finden: bei ihrer Weltreise auf einem Segelboot!

Der Journalist und Autor Alexander Wendt führte die Besucher in die Welt der modernen Drogen ein: Bei der Lesung seines Buchs „Kristall. Eine Reise durch die Drogenwelt des 21. Jahrhunderts“ konnten die Besucher erfahren, warum Drogen immer häufiger konsumiert werden, um produktiver zu sein und effektiver zu arbeiten und nicht, wie früher, um die Realität verschwimmen zu lassen.

Währenddessen erzählte der Vizedirektor des Zürcher Liberalen Instituts, Olivier Kessler, bei seinem Vortrag “NO BILLAG – Der Staat als Garant für Medienfreiheit, Medienvielfalt und Qualitätsjournalismus?”  über die schweizer No-Billag Initiative, die den häufig wiederholten Mythos der neutralen staatlichen Medien herausforderte. Bei einem Workshop nutzte der Sprecher Beispiele aus der schweizer No-Billag Kampagne und zeigte einer Gruppe von Interessierten, wie eine erfolgreiche Kampagne aufgebaut werden könnte.

Der Direktor des Prager Liberalní Institut Martin Panek verglich bei seinem Vortrag über die “Freedom of Speech” amerikanische und europäische Konzepte der Rede- und  Meinungsfreiheit. Er ist der Meinung, dass das breite amerikanische Verständnis der Redefreiheit zu bevorzugen ist.

Dr. Gerd Habermann hielt einen Vortrag über die Philosophie des Unternehmertums. Der Geschäftsführer der Hayek-Gesellschaft sieht den Gewinn als die Hauptaufgabe des Unternehmers an, denn die Vermehrung der Güter auf dem Markt ist das, was er bewirken soll, nicht die Umverteilung.

Marvin Steiger, ein Betriebswirt, der sich in seinem Job as Consultant mit Innovationen der Finanzdienstleistungsbranche beschäftigt, führte seine Zuhörer in die komplizierte Welt der Blockchain und der Kryptowährungen ein, insbesondere Bitcoin.

Die Students For Liberty sind eine Organisation, die von ein paar Freunden gegründet wurde und von sehr vielen Freunden weitergeführt wird. Nachdem Rick Wendler, Vorsitzender der SFL Deutschland, die Vision und Mission der Students For Liberty vorstelte, wurde durch Jonas Zentner, Vorsitzender des Fördervereins Studenten für die Freiheit e.V.,  das erste Mal in der Geschichte der Alumnus des Jahres gekürt. Achim Fischbach zählt ohne Frage zu unseren besten Freunden: Jahrelang zeigte er sich als ein hilfsbereiter, freundlicher und engagierter Aktivist von seiner besten Seite. Einen geeigneteren ersten Alumnus des Jahres konnte es gar nicht geben.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion debattierten Prof. Dr. Christian Hoffmann, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Leipzig, Dr. Daniel Ullrich, Medieninformatiker und Mitautor des Buchs „Es war doch gut gemeint. Wie Political Correctness unsere freiheitliche Gesellschaft zerstört“ und Alexander Wendt, Autor und Journalist über die gesellschaftliche Relevanz von Political Correctness und die von ihr ausgehenden Gefahren. Ganz ohne Sprechverbote und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen stellte jeder seine persönlichen Einsichten dar.

Am Abend erfolgte mein persönliches Highlight: Bei seinem Vortrag “Von einem, der für die Freiheit kämpft(e)” erzählte der Bundesbeauftragte für Stasiunterlagen Dr. h.c. Roland Jahn über sein Leben als Student und junger Mensch in Jena zur Zeit der DDR. Der ehemalige Oppositionelle und politische Gefangene zeichnete ein Bild der Verfolgung, Angst und Gewalt, doch auch des Mutes, des jugendlichen Idealismus und der Hoffnung. Es sind Menschen wie Roland Jahn, die uns klarmachen, was es bedeutet als politischer Aktivist in einem autoritären Staat tätig zu sein, und wie wichtig es ist, die Freiheit, die wir jetzt haben, zu erhalten und zu pflegen.

Die letzte Key-Note-Rede gab der Mann mit dem “I love Capitalism” Shirt, Dr. Dr. Rainer Zitelmann.
Der erfolgreiche Unternehmer und Autor des Buchs “Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung: Eine Zeitreise durch 5 Kontinente” zeigte mit vielen bildhaften Beispielen, dass der Kapitalismus als Prügelknabe mancher Intellektueller, Journalisten und anderer Akademiker seinen schlechten Ruf überhaupt nicht verdient. Bei seinem leidenschaftlichen Vortrag sprach sich der Praktiker für eine pragmatische und realistische Sicht auf den Kapitalismus aus: Das System, das noch nie dagewesenen Wohlstand hergestellt hat. Ohne Wunschdenken und Utopien.

Das Jahr 2018 war ein sehr erfolgreiches für SFL Deutschland, mit vielen neuen Local Coordinators, vielen erfolgreichen Events, und mit der Regionalkonferenz als großartiger Abschluss. Innerhalb der Organisation wird es bald einige große Veränderungen geben. Rick Wendler und Jonas Zentner, beide “Veteranen” der deutschen liberalen Studentenbewegung und Personen, die die deutschen Students For Liberty geprägt und geführt haben, werden SFL als aktive Mitglieder verlassen. Das neue Exec-Board wird in große Fußstapfen treten müssen, denn was Rick und Jonas hinterlassen, sind die Früchte jahrelanger Arbeit.

Doch auch wenn sich vieles ändert, eines ändert sich nie: Die Diskussionen, Vorträge, die neuen und alten Freunde waren wie immer das Highlight unseres Jahres. Es war eine sehr schöne Zeit.