Skin in the Game ist ein wichtiger Aspekt, wenn es um öffentliche Aussagen über Kryptowährungen geht. Gerade deswegen sollten wir Regierungen und Lobbyisten nicht vertrauen, solange sie das neue Finanzsystem bekriegen.

Man hört immer wieder Äußerungen von solchen prominenten Vertretern unserer modernen Gesellschaft wie Warren Buffett oder gar Großkonzernen wie Facebook, dass Bitcoin und die ganze Blockchain-Szene eine Blase, eine schlechte Investition, eine Spielerei für Nerds oder ein Schneeballsystem ist. Durch ihre öffentliche Stellung und Reichweite, plappern die Massenmedien das alles nur zu gern nach und rufen damit Panik hervor. Viele Staaten versuchen mittlerweile, Kryptowährungen zu verbieten oder anderweitig zu regulieren. Wir sollten solche Bekanntmachungen angesichts der unruhigen politischen Lage mit einer großen Skepsis betrachten, denn es steckt viel mehr unter der Spitze des Eisbergs.

Worte haben keinen Zusammenhang mit Taten
In seinem neuesten Buch „Skin in the Game“ zeigt der Forscher und Philosoph Nassim Taleb, welche Auswirkungen Asymmetrien im Leben haben. Bei dem titelgebenden Konzept Skin in the Game handelt es sich um ein englisches Sprichwort dafür, dass jemand das Risiko für seine Handlungen direkt trägt – ob also seine Taten im Verhältnis zu den Folgen symmetrisch sind. Ist das der Fall, können wir davon ausgehen, dass er etwas zu verlieren hat und daher auch seine Worte seinen Taten nicht widersprechen sollten. Im Gegensatz dazu hat ein Akteur kein Skin in the Game, wenn das politische und wirtschaftliche System es ihm ermöglicht, Profite für sich zu behalten, aber die Risiken und Verluste auf andere zu übertragen. Er befindet sich in einer ungleichen Position im Verhältnis zu anderen Menschen, die mit ihnen interagieren. Menschen ohne Skin in the Game sind z.B. Politiker, Wirtschaftsberater, Bürokraten (einschließlich Geschäftsführer großer Unternehmen), Banker usw. Alle, die so weit von den negativen Folgen ihrer Handlungen entfernt sind, können großen gesellschaftlichen und finanziellen Schaden anrichten ohne die Konsequenzen tragen zu müssen. Es liegt also eine problematische Asymmetrie vor.

Menschen ohne Skin in the Game haben die Möglichkeit, Massen mit Leichtigkeit irrezuführen, während dieselben Massen all die Kosten tragen müssen, sollte das eine oder das andere Projekt des Social Engineering scheitern. Das ist auch einer der Kritikpunkte der Österreichischen Schule gegenüber den Interventionisten: wenn eine Partei versucht, ihre Interessen auf Kosten anderer durchzusetzen, riskiert sie nicht ihr eigenes Vermögen, sondern das Geld der Steuerzahler. Dasselbe gilt für Ökonomen oder auch Banken, die in der Politik ihre Ideen umsetzen möchten, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, dass am Ende nicht sie, sondern die Gesellschaft zur Kasse gebeten wird. Die Entfernung von bzw. die Verlagerung der eigenen Risiken führt dazu, dass Menschen in Führungspositionen ohne Skin in the Game Unmengen an Unsinn öffentlich produzieren und falsche Entscheidungen treffen können, ohne oder kaum die Konsequenz tragen zu müssen und nur von den Erfolgen profitieren. Ein symmetrischen System mit Skin in the Game wäre hingegen ein großer Filter, der sie für ihre Taten unmittelbar haften lassen und Unfug von Realität trennen würde.

Handeln und billiges Geschwätz
Während des Kalifornischen Goldrausches im 19. Jahrhundert erwarb der Bergbauunternehmer George Hearst Anteile an Goldminen. Der Weg dazu war für ihn nicht einfach. Es gibt Berichte, dass er, um sein Ziel zu verfolgen, ein ganzes Arsenal an unterschiedlichsten Methoden verwendet haben soll: Manipulation, Einschüchterung und Betrug. Im Nachhinein können wir sagen, dass diese Taktik auch in der heutigen Zeit aktuell ist. Hearst soll Redaktionen lokaler Zeitschriften bestochen haben, damit sie das betreiben, was man heutzutage „Fake News“ nennt. Damit wollte Hearst die Gesellschaft einschüchtern – die Regierung sollte angeblich den Bergbau verstaatlichen. Nach dem zu erwartenden Preissturz kaufte er günstige Bergbaurechte rasch an. Später wurde er zum Besitzer der größten Bergbaugesellschaft der Vereinigten Staaten.

Im Jahr 2019 vergeht keine einzige Woche ohne Nachrichten darüber, dass der eine oder der andere Staat Kryptowährungen verbieten will, oder dass die SEC (US-Börsenaufsichtsbehörde für die Kontrolle des Wertpapierhandels) Krypto-Transaktionen regulieren möchte. Das alles geschieht gleichzeitig mit dem steigenden Interesse der Banken an den Kryptowährungen. Auch Jamie Dimon, der mittlerweile für seine abwertenden Bekanntmachungen gegenüber den Kryptowährungen bekannt ist, ist der Geschäftsführer der großen US-Bank JPMorgan Chase, die gleichzeitig in Bitcoin investiert – natürlich hinter den Kulissen und ohne große Pressemitteilungen. Nicht nur das: die Bank entwickelt eine eigene Kryptowährung. Kommt uns das nicht bekannt vor?

Meinung ist irrelevant, nur Portfolio ist wichtig
Man sollte sich auch daran erinnern, wie die polnische Zentralbank eine große Kampagne gegen die Kryptowährungen direkt nach dem letzten großen Markt-Crash in 2017 gestartet hat. Die Massenmedien sind überflutet mit negativen Kommentaren und Aussagen von Berühmtheiten, gleichzeitig steigen täglich Investitionen in Bitcoin und Co. Alle investieren: Banken, Staaten, institutionelle Fonds, aber die Preise bleiben weiterhin unten. Dank der Panikmache, die durch die Medien vorangetrieben wird, sind viele unerfahrene Trader aus dem Handel ausgestiegen, denn ihr Ziel war es nur, schnelles Geld zu machen. Diese großflächige Einschüchterung dient dem Zweck, die ganzen Kryptowährungen für günstig einzukaufen und sie zu akkumulieren, solange die leichtgläubige Mehrheit sich beeinflussen lässt und ihre Reserven für billig verkauft.

Wir müssen uns daher fragen, warum all diese Menschen anders handeln, als sie reden. Die Antwort ist einfach: sie investieren nicht nur in Kryptowährungen, aber auch in die Entwicklung der Technologie, beste Mitarbeiter und Wissen, um zukünftig in diesem Bereich zu dominieren. Indem sie auf dieselbe Art und Weise die öffentliche Meinung manipulieren, um sich einen Vorteil und einen zeitlichen Vorsprung zu verschaffen, ahmen sie die Methoden von George Hearst nach. Das ist eine Falle. Es ist äußerst wichtig, nicht auf „cheap talk“ zu hören, sondern genau hinzusehen, wie diese Menschen handeln. Sie veröffentlichen ihre Meinung, nach der sich viele richten, und die das Gegenteil von dem ist, was sie tun. Da sie keine Konsequenzen dafür tragen, ja direkt vom Verlust, den panische Trader machen, profitieren, sind sie folglich ohne Skin in the Game. Es ist ihre aufrichtigste Intention, uns dazu zu nötigen, all den Horrorgeschichten zu glauben und die Kryptowährung, die uns vor der Ausweitung des Staates schützen kann, an sie für Groschen zu verkaufen. Konzentrieren wir uns lieber auf das Wichtigste, vor allem darauf, wie diese Menschen wirklich handeln, und nicht darauf, was sie sagen. Langfristig müssen wir aber auch hinterfragen, welche existierenden Regulierungen und Institutionen es überhaupt möglich machen, dass in unserem gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen System solche Asymmetrien existieren können. Die digitalisierte Welt bietet nämlich im Gegensatz zu der analogen Zeit Hearts sehr viele Möglichkeiten, um Konzerne und Regierungen transparenter zu machen und auch den Korporatismus zu hinterfragen. Dezentralisierung reduziert solche Asymmetrien und nähert die Risiken des Handelnden an ihn selbst heran. Dezentrales Geld sowie dezentrale Regierungen, die direkte Verantwortung für ihre Politik tragen, sind daher ein erstrebenswertes Ziel für eine freie Gesellschaft.

 

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