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Wir sollten Mädchen lehren Individualistinnen zu werden, nicht Feministinnen

Ich wurde in meinem Leben oft als Feministin bezeichnet, obwohl ich mich selbst nie für eine Feministin gehalten habe. Ich dachte, wenn es beim Feminismus um Chancengleichheit geht, wozu dann ein neues Wort erfinden – dafür haben wir schließlich bereits Individualismus. Allerdings hat die Bedeutung des Begriffs „Feminismus“ sich längst selbst überholt. Die Erfolge und Misserfolge der Bewegung haben sich auch in unserem täglichen Leben viel weiter ausgebreitet.

Das erste Problem des Feminismus, unabhängig davon, welche Bedeutung man ihm beimisst, besteht darin, dass der Begriff selbst eine bestimmte Gruppe von Menschen – Frauen – hervorhebt, indem er an das „Weibliche“ appelliert. Es wird oft argumentiert, dass der Begriff verwendet wird, um die Zielgruppe der Bewegung zu verdeutlichen. Wenn sich eine Gruppe jedoch abgrenzt, trägt sie zur Segmentierung der Gesellschaft bei. Daran ist zunächst nichts falsch – bis diese Gruppe anfängt, Privilegien und unnötige Zugeständnisse für sich einzufordern. Diese Sonderbehandlung wird dann damit gerechtfertigt, dass eine bestimmte andere Gesellschaftsgruppe für ihr Leiden verantwortlich sei.

Die feministische Bewegung war dabei besonders effektiv sich für alle möglichen messbaren Ziele einzusetzen, die sicherstellen sollen, dass Frauen genauso frei sind wie Männer, wie z.B. Geschlechterquoten. Es ist dabei jedoch wichtig, zwischen der Chancengleichheit – die eine der Säulen des Individualismus ist – und der Gleichheit der Ergebnisse zu unterscheiden, die den Individualismus untergräbt.

Das Konzept der Wohlfahrtsrechte, wie beispielsweise das in vielen Verfassungen verankerte Recht auf Bildung, wird durch Umverteilung ausgeübt. Ich persönlich würde mir wünschen, dass sich die Regierungen auf der ganzen Welt von der Umverteilung verabschieden. Realistisch betrachtet sind diese sozialen Rechte jedoch in der Gesellschaft verankert und werden bestehen bleiben. Dennoch ist es auf Seiten der Regierungen inakzeptabel, sich in das Recht der Frauen einzumischen, eine Bildung auf Augenhöhe mit Männern zu erhalten.

Unter diesen Umständen kann die Gewährleistung des gleichen Zugangs zur Bildung als Versuch angesehen werden, die Chancengleichheit zu erreichen. Andererseits wird durch den Druck auf die Arbeitgeber, eine geschlechtergerechte Repräsentanz zu gewährleisten, sowie durch verschiedene andere Quoten die Gleichheit des Ergebnisses angestrebt.

Nur weil Frauen in einigen Bereichen wie Politik und Wirtschaft in der Vergangenheit unterrepräsentiert waren, heißt das allerdings nicht, dass wir versuchen sollten, dies auszugleichen, indem wir jetzt mehr Frauen in diese Berufe einstellen. Diese Vorgehensweise ist zutiefst fehlerhaft. Es ist unmöglich, die Ungerechtigkeiten der Vergangenheit zu korrigieren, da es an Wissen über die genauen Ungerechtigkeiten mangelt und auch diese nicht mehr bestehen. Noch wichtiger ist, dass sie die Weiterentwicklung des leistungsorientierten Erfolgsbegriffs untergräbt.

Ein weiteres – und wahrscheinlich viel wichtigeres – Problem des Feminismus ist, dass er Frauen lehrt, wie Männer zu konkurrieren. Paradoxerweise hat der Feminismus, indem er an das „Weibliche“ appellierte, die Rolle des Weiblichen verringert. Das löst auch viel Wut und Abwehrhaltung gegenüber Männern aus, da sie als Feinde angesehen werden.

Das berühmte Sprichwort von Sun Tzu: „Kenne deinen Feind besser als dich selbst“, scheint mir der Kern des radikalen Feminismus zu sein, der die Männer dämonisiert. Jede Art von Feminismus setzt Wettbewerb voraus. Dessen Verständnis der Feministinnen unterscheidet sich jedoch von demjenigen, der Individualisten.

Frauen haben versucht, mit Männern unter männlichen Bedingungen zu konkurrieren. Diejenigen, die gescheitert sind, sind in der Regel die Lautesten in der Warteschlange für Privilegien – ähnlich wie nicht-wettbewerbsfähige Branchen, die Subventionen fordern.

Die Taktik deines Konkurrenten kann dir helfen, deinen Platz zu halten, aber sie wird dir nicht helfen, das Rennen zu gewinnen. Genau aus diesem Grund hat der Feminismus noch nicht gewonnen und wird es auch nie, wenn er seine heutige Form beibehält. Der Sieg des Feminismus ist nur möglich, wenn er sich im Individualismus auflöst.

Margaret Thatcher formulierte es am besten:

Die Mission der Frau ist es nicht, den männlichen Geist zu stärken, sondern das Weibliche auszudrücken; sie ist nicht, eine künstliche Welt zu bewahren, sondern eine menschliche Welt zu erschaffen, indem sie das weibliche Element in alle ihre Aktivitäten einfließen lässt.

Individualismus ist eine Philosophie, die alle Menschen gleich behandelt, unabhängig von Geschlecht, Rasse, Erziehung etc. Es ist ein auf Leistung basierendes Glaubenssystem und befasst sich daher hauptsächlich mit einem Wert, den jeder Einzelne erbringen kann. Individualismus ermutigt uns, das, was wir haben, zu nutzen und weiterzuentwickeln.

Mädchen beizubringen, wie Männer zu konkurrieren, ist die falsche Strategie. Es ist an der Zeit, dass wir Mädchen beibringen, wie Individuen zu konkurrieren und das Weibliche zu ihrem Vorteil in einem fairen und wertschöpfungsorientierten Wettbewerb auf der Grundlage der Chancengleichheit zu nutzen.

 

 

Der Artikel erschien zuerst bei SpeakFreely, dem Blog der European Students For Liberty. Übersetzung von Nikodem Skrobisz.

Dieser Artikel spiegelt die Meinung des Autors, nicht der Organisation wieder. Dieser Blog bietet die Plattform für unterschiedliche liberale Ideen. Mehr zur Organisation auf www.studentsforliberty.de